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Willkommen bei den Länderinfos ESTLAND

Blick auf historische Altstadt in Tallinn (Estland).

Der Text zu Grundlagen und Strukturen der Kinder- und Jugendpolitik in ESTLAND gliedert sich in die vier Kapitel:

Im Impressum erhalten Sie Informationen über Erstellungsdatum, Verfasser/-in und Ansprechpartner/-in.

Relevante Gesetze

Die Jugendarbeit in Estland wird durch das Gesetz über Jugendarbeit (Estonian Youth Work Act) geregelt (vom 1. April 1999, aktualisiert 17. Juni 2010). Durch das Gesetz wird das estnische Bildungs- und Forschungsministerium mit der Koordinierung folgender Aufgaben betraut:

  • Vorbereitung staatlicher Programme für die Jugend
  • Unterstützung der Jugendverbände
  • Koordination der Jugendcamps
  • Koordination des Informations- und Beratungssystems für Jugendliche
  • Forschung in Jugendfragen etc.

Das Gesetz stellt in der Ausführung sämtlicher Aufgaben ausdrücklich den Jugendlichen selbst in den Mittelpunkt.

Weitere jugendrelevante Gesetze sind das Kinderschutzgesetz der Republik Estland (Republic of Estonia Child Protection Act), Schulgesetz, das Verbandsgesetz, das Bildungsgesetz und noch viele andere Gesetze oder gesetzliche Bestimmungen, die in Teilbereichen die Jugend betreffen.

Links

https://www.hm.ee/en/activities/youth

Altersbezogene gesetzliche Regelungen

Gemäß dem estnischen Jugendgesetzt werden alle jungen Menschen zwischen 7 und 26 Jahren als Jugendliche bezeichnet und können im Bereich der Jugendarbeit in den Genuss von Fördermitteln kommen. (Youth Work Act, § 3 Abs. 1)

In Estland besteht für die so genannte primary und die basic secondary education Schulpflicht, d.h. für die Altersgruppe der 7- bis 16-Jährigen.

Volljährigkeit: 18 Jahre

Aufenthalt an öffentlichen Plätzen, Restaurants ohne Begleitung Erwachsener: Ab 16 Jahre uneingeschränkt, bis 16 Jahre nur bis 23 Uhr

Zutritt zu Restaurants: in Begleitung von Erwachsenen keine Altersbeschränkung, bis 16 Jahre allein nur bis 23 Uhr

Zutritt zu Diskotheken, Tanzsälen, Vergnügungsorten: 16 Jahre, häufig auch Altersbeschränkung bis 21 Jahre

Abgabe und Verzehr von Tabak und alkoholischen Getränken: Ab 18 Jahre

Links
http://protection-of-minors.eu/de/EE_overview.php - Regelungen zum gesetzlichen Kinder- und Jugendschutz in Estland, Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz (BAJ)

http://www.bag-jugendschutz.de/PDF/MDA12-Laender_einzeln/Jugendschutzbestimmungen_Estland.pdf - Europäischer Jugendschutzatlas der BAG Kinder- und Jugendschutz

Estonian Youth Work Act (17.06.2010) - https://www.riigiteataja.ee/en/eli/520122013004/consolide/current

Relevante Ministerien und ihre Zuständigkeiten

Für die Koordinierung der Jugendpolitik in Estland ist das Bildungs- und Forschungsministerium zuständig, das über eine eigene Jugendabteilung verfügt.

Zu den wichtigsten Aufgaben des Ministeriums zählen:

  • Vorbereitung staatlicher Programme für die Jugend
  • Unterstützung der Jugendverbände
  • Koordination der Jugendcamps
  • Koordination des Informations- und Beratungssystems für Jugendliche
  • Forschung in Jugendfragen
  • Überwachung der Verwendung der finanziellen Mittel etc.

Nach der Konzeption zur estnischen Jugendarbeit, die 2001 formuliert wurde, findet Jugendpolitik auf verschiedenen staatlichen Ebenen statt: Parlament und Regierung schaffen die gesetzliche Basis für Jugendarbeit und stellen finanzielle Mittel aus dem Haushalt bereit, das Bildungs- und Forschungsministerium und andere Ministerien sind zuständig für die (Weiter-) Entwicklung von Gesetzen und Konzepten und verantwortlich für die Umsetzung der staatlichen Jugendprogramme und -projekte, der Landkreisvorsteher und die örtliche Selbstverwaltung koordinieren und organisieren Jugendarbeit im entsprechenden Zuständigkeitsbereich. Außerdem führen freie Träger selbständig Jugendarbeit durch, darüber hinaus beteiligen sich Wirtschaftsunternehmen als Kooperationspartner der örtlichen Selbstverwaltung und an der Finanzierung.

In Zusammenarbeit mit dem Bildungs- und Forschungsministerium ist das Estonian Youth Work Centre beauftragt, die Jugendarbeit im Rahmen der nationalen Jugendpolitik sowie den Entwicklungsplan der Jugendarbeit in Estland umzusetzen.
Genauere Erläuterungen zum Estonian Youth Work Centre siehe Kapitel "Zentrale Einrichtungen und Organisationen" auf dija.de>>>

Genauere Erläuterungen zur Kinder- und Jugendpolitik Estlands und zum Entwicklungsplan der Jugendarbeit in Estland siehe Kapitel Kinder- und jugendpolitische Schwerpunkte und Aktionsprogramme>>>

Ebenso spielt die estnische Nationalagentur Erasmus+ (Archimedes Foundation) eine bedeutende Rolle bei der Umsetzung des Entwicklungsplan der Jugendarbeit und damit in der estnischen Jugendpolitik.

In Teilbereichen ist das Kultusministerium mit jugendrelevanten Fragen befasst. Es leistet finanzielle Unterstützung für das landesweite Netz von Kunst- und Musikschulen für Kinder und Jugendliche.

Kinder- und jugendpolitische Schwerpunkte und Aktionsprogramme

Im November 1999 fand in Estland ein Jugendarbeitsforum statt, auf dem die Prioritäten der estnischen Jugendarbeit der nächsten Jahre festgelegt wurden.

Im Jahr 2001 formulierte der damalige Bildungsminister Tönis Lukas ein Konzept zur estnischen Jugendarbeit, in dem die Hauptbereiche und Begriffe der Jugendarbeit definiert werden und das eine Basis für die Ausarbeitung und Realisierung von Entwicklungsplänen darstellt. Ziel der Jugendarbeit ist es demnach, „die Bedingungen für persönlichkeitsentwickelnde Beschäftigungen außerhalb der Familie, Schule und Arbeitsstelle zu schaffen, um die Sozialisierung der Jugendlichen und ihre Entwicklung zu in der Gesellschaft zurechtkommenden Mitgliedern zu fördern.“

Der hierauf basierende Entwicklungsplan der Jugendarbeit in Estland für die Jahre 2001 bis 2004 ist zusammen mit dem eben genannten Konzept das erste Dokument zur Jugendpolitik in Estland. Es beschreibt die Jugendarbeit in acht Bereichen: Jugendsozialarbeit; Freizeitbildung; Information über und für die Jugendlichen, Beratung und Forschung; Ausbildung, Fortbildung und Umschulung im Bereich der Jugendarbeit; gesundheitsfördernde und -entwickelnde Erholung der Jugendlichen; Integration der Jugendlichen in die Arbeitswelt; Internationale Jugendarbeit; Strukturen der Jugendarbeit und Beteiligung der Jugendlichen an deren Tätigkeit. Neben den Prioritäten der einzelnen Bereiche werden die zuständigen Institutionen und Verbände genannt.

Auf dem Forum für Jugendarbeit vom 12. bis 13. Mai 2005 in Pärnu wurde von Vertreter(inne)n estnischer Einrichtungen der Jugendarbeit als zweites Dokument zur Jugendpolitik in Estland ein Strategiepapier verabschiedet, das die Basis für die Jugendpolitik der Jahre 2006 bis 2013 bildet.  Folgende Hauptziele wurden formuliert:

  • Sicherstellung von Jugendpartizipation und -entwicklung in allen jugendpolitischen Bereichen auf der Grundlage aktueller Interessen und Bedürfnisse junger Menschen
  • Sicherstellung der Nachhaltigkeit der Jugendarbeit, indem Variabilität und Qualität der Angebote der Jugendarbeit erhöht und der Zugang zu ihnen verbessert werden

Daran schließt sich als drittes Dokument der Jugendpolitik der aktuelle Entwicklungsplan der Jugendarbeit in Estland für die Jahre 2014-2020 an. Der Fokus wird dabei auf folgende Punkte gelegt:

  • Erhöhung der Möglichkeiten zur kreativen Entfaltung, zu Initiativen und gemeinsamen Aktionen junger Menschen,
  • Reduzierung der Auswirkungen von ungleichen Startchancen Jugendlicher und Vorbeugung sozialer Ausgrenzung,
  • Unterstützung aktiver Teilhabe von jungen Menschen in der Gesellschaft sowie ihre Beteiligung an Entscheidungsprozessen,
  • Sicherung von Erfolgen auf dem Arbeitsmarkt für junge Menschen,
  • Jugendpolitik und Jugendarbeit von hoher Qualität entwickeln.


Links

https://www.hm.ee/en/activities/youth/youth-policy - Jugendpolitik Bildungs- und Forschungsministerium Estland

Aktionsprogramme

Estland nimmt am Europäischen Aktionsprogramm JUGEND IN AKTION teil. Ansprechpartner ist die estnische Nationalagentur Erasmus+ Foundation Archimedes (Abteilung: Youth Agency)

Nationale und regionale Kinder- und Jugendräte

Am 19. Mai 2002 wurde der Estnische Nationale Jugendring (Eesti Noorteühenduste Liit, ENL) gegründet. Er ist eine Dachorganisation von zurzeit über 43 Jugendorganisationen, 15 regionalen Jugendräten und 70 lokalen Jugendräten.

Der Nationale Jugendring versteht sich als Repräsentant der Interessen der estnischen Jugend und hat folgende Aufgaben und Ziele:

  • Eine tiefgreifende Zusammenarbeit zwischen den Jugendorganisationen und einer aktiven Partizipation der Jugendlichen in der Gesellschaft herstellen,
  • Sich für die Anerkennung und Partizipation von jungen Menschen stark machen,
  • Jugendorganisationen repräsentieren, beteiligen und unterstützen, in dem der Nationale Jugendring Möglichkeiten zur Kooperation und zur Entwicklung schafft.

 

Schülervertretungen gelten in Estland auch als wichtige Form der Jugendpartizipation. 2016 gab es in Estland 90 regionale und lokale Formate der Jugendpartizipation.

Link

Bildungs- und Forschungsministerium/Jugenarbeit - www.hm.ee/en/activities/youth/youth-work

Überblick über die Strukturen der Jugendverbandsarbeit

Ein Jugendzentrum (youth centre) ist eine Jugendarbeitsagentur, dessen Aktivitäten von lokalen/kommunalen Behörden oder Non-profit-Organisationen koordiniert werden. Das Jugendzentrum hat das größte und breiteste Angebot an Dienstleistungen der Jugendarbeit. Sie existieren in verschiedenen Formen, aber die meisten machen „Offene Jugendarbeit“.  Im Jahr 2016 gab es in Estland 263 Jugendzentren.

Darüber hinaus gibt es in Estland noch weitere Einrichtungen und Projekte, die zum Bereich der Jugendarbeit gehören. Dazu zählen die hobby schools, youth work brigades, permanent youth camps und youth project camps. Kurze Informationen sind auf der Internetseite des Bildungs- und Forschungsministerium/youthwork erhältlich.

Überregionale Jugendverbände

In Estland ist ein Jugendverband eine Non-profit-Organisation, bei der mindestens Zweidrittel der Mitglieder junge Menschen (18-27 Jahre) sein müssen. Sie haben das Ziel, Jugendarbeit zu organisieren und durchzuführen. Ungefähr 10% der estnischen Jugendlichen sind in einem Jugendverband engagiert.

Im Jahr 2016 erhielten 17 nationalen Jugendverbände eine Förderung vom Staat, darunter der Estonian National Youth Council und die beiden Vereinigungen der estnischen Studentenvertretungen.

Vereinigung der estnischen Studentenvertretungen:

Die mitgliederstärksten Verbände sind die Pfadfinder- und Studentenvereinigungen sowie das Estnische Jugendrotkreuz.

Hier einige Links:
Estnische Jugendrotkreuz: http://www.redcross.ee/en/activities.html
Estnischer Pfadfinderverband: http://www.skaut.ee
Estnischer "4H"-Verband: http://www.eesti4h.ee
Estnischer YMCA (Christlicher Verein junger Menschen): http://www.ymca.ee


Zentrale Einrichtungen und Organisationen

Für den Bereich der internationalen Jugendarbeit ist in enger Abstimmung mit dem Bildungs- und Forschungsministerium das Zentrum für Jugendarbeit Estlands (Estonian Youth Work Centre) zuständig. Es setzt den Entwicklungsplan der Jugendarbeit in Estland (2014-2020) um, führt weitere verschiedene Programme im Auftrag und mit dem Ministerium durch und setzt weitere Aufgaben um, die sich aus dem Youth Work Act ergeben. Im internationalen Bereich setzt das Zentrum die internationalen Abkommen im Bereich der jugendpolitischen Zusammenarbeit um und koordiniert die internationalen Campaustausche im Rahmen des PLATFORM-Programms.

Für die Umsetzung des Europäischen Aktionsprogramms Erasmus+ ist die Foundation Archimedes als Nationalagentur Jugend (Abteilung: Youth Agency) zuständig. Seit dem Beitritt zur EU übernimmt Youth Agency als Nationalagentur Estlands alle Aufgaben rund um die Umsetzung der europäischen Jugendprogramme in Estland.

Der Estonian National Youth Council repräsentiert die junge Bevölkerung Estlands im Europäischen Jugendforum.

Estland ist Mitglied in der European Youth Card Association (EYCA). https://www.eyca.org/card/countries/26/estonia

Weitere Informationen zu Estland für junge Leute gibt es auf dem Europäischen Jugendportal.

Zusammenarbeit mit Deutschland

Am 25. November 1993 wurde in Bonn die Vereinbarung zwischen dem damaligen Bundesministerium für Frauen und Jugend (BMFJ) und dem Ministerium für Kultur und Bildung der Republik Estland über jugendpolitische Zusammenarbeit unterzeichnet. Vereinbart wurde, sich jährlich über zu fördernde bilaterale Programme abzustimmen. Seit 2010 haben jedoch keine Regierungsgespräche mehr stattgefunden.

Eine Übersicht über die bilateralen Abkommen Estlands finden Sie auf der Internetseite des estnischen Bildungs- und Forschungsministerium.

Eine Übersicht zu deutsch-estnischen Organisationen in Deutschland erhalten Sie auf der Informationsseite von Esten in Deutschland.

Weitere Informationen: Deutsche Botschaft in Tallinn und Auswärtiges Amt

Impressum - Estland

Die Länderinfos zu Estland wurden zusammengestellt von: IJAB – Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V.

Letzte Aktualisierung: Juli 2017

Kontakt: dija(at)ijab.de