Kinder- und Jugendpolitik - Grundlagen und Strukturen - Griechenland

Hier gibt es Informationen zu den Grundlagen und Strukturen der Kinder- und Jugendpolitik in Griechenland.

Gesetzliche und finanzielle Grundlagen

Relevante Gesetze
Altersbezogene gesetzliche Bestimmungen
Finanzierung

Relevante Gesetze

Verfassung
Die griechische Verfassung betrifft sowohl indirekt als auch direkt die Belange junger Menschen:

Nationale Gesetze
Die nationale Gesetzgebung im Bereich Jugend bezieht sich auf folgende Bereiche:

Jugendräte

In Griechenland gibt es keinen Aufbau der dem deutschen Jugendring-System ähnlich ist.

Das Gesetz 3852 (07.06.2010) teilt das Land in 13 Regionen, welche die Einheiten der Staatsverwaltung bilden. Eine Aufgabe dieser Verwaltung ist das Verfassen und Implementieren von Jugendprogrammen. Das Gesetz besagt u.a., dass Gemeinden einen Gemeinderat stellen müssen, welchem ein Repräsentant des lokalen Jugendrats vorsitzt (Artikel 76). Das Gesetz macht zudem Vorgaben für die Administration im Bereich „Bildung, Kultur, Sport und Jugend" (Artikel 97).

Im Februar 2006 wurde ein neues Gesetz (Nr. 3443/27) über die Schaffung lokaler Jugendräte verabschiedet. Die Jugendrätemitglieder werden in einer direkten und geheimen Wahl gewählt; junge Leute zwischen 15 und 28 können sich an der Wahl beteiligen, wenn sie in den Wahlregistern aufgeführt sind. Diese lokalen Jugendräte sollen Bedürfnisse und Probleme junger Menschen identifizieren, herausstellen und weiter verfolgen. Das Gesetz verspricht eine Förderung für die lokalen Jugendräte sowie eine Vertretung der Stadt-, Gemeinde- und Bezirksjugendräte auf nationaler Ebene im Rahmen des Nationalkomitees der lokalen Jugendräte.

Jedoch ist bisher der Erfolg von Jugendräten nur bedingt erkennbar, da Jugendräte auf freiwilliger Basis entstanden sind. Seit 2008 haben dazu keine Wahlen stattgefunden. Dadurch existieren de facto keine regionalen Jugendräte in Griechenland.

Internationales Recht
Folgende internationale Dokumente gelten in Griechenland:
-    UN-Kinderrechtskonvention (1992 ratifiziert)
-    Europäische Konvention für Menschenrechte und Fundamentale Freiheiten (1974 ratifiziert)
Zuständig für den Schutz und die Förderung der Kinderrechte sind das National Observatory on the Rights of Children und der Ombudsman für Griechenland.

(Quellen: Griechische VerfassungOmbudsman GriechenlandGeneral Secretariat for Youth; Country Sheet on Youth Policy)

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Altersbezogene gesetzliche Bestimmungen

Schulpflicht
Beginn der Schulpflicht: 6 Jahre
Ende der Schulpflicht: 15 Jahre
Die Mindestschulpflicht nach Artikel 19 der Verfassung schreibt einen Schulbesuch von mindestens neun Jahren vor. (6 Jahr Grundschule und 3 Jahre weiterführende Schule)

Volljährigkeit: 18 Jahre
als Kind gilt, wer zwischen 6 und 12 Jahren ist
als Heranwachsende/r gilt, wer 12 bis 17 Jahre ist
als Jugendliche/r gilt, wer zwischen 18 und 30 Jahren ist (Dieser Altersabschnitt ist jedoch nicht gesetzlich fixiert und kann je nach Bedarf geändert werden. Beispielsweise liegt die Altersgrenze bei Jugend in Aktion bei 35.)

Mindestalter für juristische Haftbarkeit
Im Strafgesetzbuch werden Personen zwischen 7 und 17 Jahren als Minderjährige betrachtet. Personen unter 12 fallen unter die Gruppe der Kinder, 12- bis 17-Jährige sind Heranwachsende. Straffällige Minderjährige sind laut Artikel 121 des Strafgesetzbuches Erziehungsmaßregeln oder therapeutischen Maßnahmen zu unterziehen oder können auch in den Strafvollzug eingewiesen werden. Kinder können für ihre Taten nicht haftbar gemacht werden und unterlaufen daher nur Erziehungs- oder therapeutische Maßnahmen. Bei Heranwachsenden besteht auch die Möglichkeit der Einweisung in den Strafvollzug, wenn vorher genannte Maßnahmen nicht greifen.

Führerscheinerwerb
Moped: 17 Jahre
Motorrad: 18 Jahre
Auto: 18 Jahre
LKW: 21 Jahre
Bus: 24 Jahre

Mindestalter für …

Wahlrecht
Aktives und passives Wahlrecht zur Wahl von Jugendvertreter(inne)n in einer Firma: 16 Jahre.
Aktives und passives Wahlrecht auf allen Ebenen: alle Bürger/-innen ab 18 Jahren, die in den Wahllisten registriert sind und denen die Wahlrechte nicht aberkannt wurden. Im Juli 2016 wurde das Wahlalter von 18 auf 17 Jahre gesenkt. Prinzipiell herrscht in Griechenland Wahlpflicht. Verstöße dagegen werden aber seit 2001 nicht mehr geahndet.
Für die Wahl zur/zum Parlamentsabgeordneten muss man mindestens 25 Jahre alt sein.

(Quellen: Greek National Council for Radio and Television; Ministry of National Defence; Ministry of Public Order & Citizen Protection; Ministry of Interior; Hellenic ParliamentMinistry of Transport and Communication; The Right to Education Project; Ministry for Education, Research and Religions)

Link
http://www.protection-of-minors.eu/de/country/GR - Informationen zum Kinder- und Jugendschutz in Europa der BAG Kinder- und Jugendschutz

http://www.bag-jugendschutz.de/PDF/MDA12-Laender_einzeln/Jugendschutzbestimmungen_Griechenland.pdf - Europäischer Jugendschutzatlas Griechenland der Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz

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Finanzierung

NGOs und Vereine, die Kinder- und Jugendaktivitäten anbieten, finanzieren sich meistens durch Erasmus+ Programme, durch Mitglieds- und Teilnahmebeiträge oder werden projektbezogen von internationalen Organisationen finanziert (z.B. können Projekte für junge Geflüchtete von UNICEF unterstützt werden). Andere Organisationen finanzieren sich durch Spenden von Unternehmen und Stiftungen oder durch Erbschaften.

Erbschaften sind in Griechenland von großer Bedeutung. Erbschaften sind Vermögen, die eine verstorbene Person einer NGO, einer Universität oder einer anderen Organisation hinterlässt. Eine besondere Rolle spielen Erbschaften für Studierende, da die meisten Erbschaften Stipendiencharakter besitzen und explizit für ein Studium hinterlassen wurden. Die Aristoteles Universität von Thessaloniki hat sogar eine eigene Webseite dafür (http://www.klirodotimata.web.auth.gr/general-info). Erbschaften werden auf Griechisch „Klirodotimata“ genannt und sind für Universitäten, Institute, die Kirche und für deren Finanzierung ausschlaggebend.

Stiftungen
In Griechenland gibt es keine Stiftungen, die exklusiv die Jugend ansprechen oder Jugendarbeit als explizites Ziel verfolgen. Jedoch gibt es mehrere Stiftungen, die unter anderem auch viele Projekte für Jugendliche und Kinder unterstützen und oft zu Kooperationen mit dem Ausland bereit sind. Hier ist eine Auswahl:

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Kinder- und jugendpolitische Strukturen

Relevante Ministerien und ihre Zuständigkeiten
Kinder- und jugendpolitische Schwerpunkte und Aktionsprogramme
Kinder- und jugendpolitische Einrichtungen und ihre Kompetenzen
Nationale und regionale Kinder- und Jugendräte
 

Relevante Ministerien und ihre Zuständigkeiten

Zuständig für den Bereich Jugend in Griechenland ist das Ministerium für Bildung, Forschung und Religiöse Angelegenheiten. Es hat die Verantwortung für die Entwicklung jugendpolitischer Strategien und deren Umsetzung. Seit November 2016 ist Konstantinos Gavroglou der zuständige Bildungsminister. (Biographie von Konstantinos Gavroglou.)

Das Generalsekretariat für Lebenslanges Lernen und Jugend ist das Ergebnis der Zusammenführung der beiden Generalsekretariate für Jugend und Lebenslanges Lernen. Das ursprünglich eigenständige Generalsekretariat für Jugend wurde bereits 1982 durch die frisch gewählte Panhellenische Sozialistische Bewegung (PASOK) gegründet. Das Generalsekretariat für Lebenslanges Lernen und Jugend mit Pafsanias Papageorgiou im Amt des Generalsekretärs ist für die Koordination von Regierungsaufgaben und die Umsetzung der Regierungspolitik im Bereich Jugend zuständig sowie für die Zusammenarbeit mit Trägern der Kinder- und Jugendarbeit.

Das Generalssekretariat für Lebenslanges Lernen und Jugend setzt sich für die Verankerung des Themas Jugend als Querschnittsthema in anderen Bereichen der Regierungspolitik ein. Deswegen setzt es sich auch mit Themen wie Beschäftigung und Entwicklung, Kultur und Freizeit, Bildung und soziale Beteiligung sowie internationaler Zusammenarbeit und Information auseinander. Außerdem fördert das Generalsekretariat die sektorübergreifende Jugendpolitik unter Berücksichtigung der relevanten Entwicklungen im Jugendsektor auf europäischer und internationaler Ebene.

Die Themen Kultur und Sport, die mehrere Berührungspunkte mit Jugendaktivitäten haben, werden vom Ministerium für Kultur und Sport geregelt, das ein Generalsekretariat für Kultur und eins für Sport stellt.

Weitere Ministerien mit Berührungspunkten zu Kinder- und Jugendfragen sind: das Gesundheitsministerium, das Ministerium für Arbeit und Soziales sowie das Ministerium für ländliche Entwicklung und Lebensmittel

Wichtigste Aufgabe des Interministeriellen Komitees für Jugend ist die Koordination aller relevanten Ministerien und anderer öffentlicher Behörden bei der Schaffung einer umfassenden nationalen Jugendpolitik. Allerdings wurden bisher keine Ergebnisse des Komitees vorgelegt.

Der Ständige Ausschuss für Kultur und Bildung untersucht Gesetzesvorschläge, die zu den Kompetenzen des Ministeriums für Bildung, Forschung und religiöse Angelegenheiten und des Ministeriums für Wirtschaft, Infrastruktur und Tourismus gehören.

Der Fachausschuss für Gleichstellung, Jugend und Menschenrechte ist für Gesetzesvorschläge bezüglich der Themen Gleichbehandlung und Einhaltung der Menschenrechte zuständig.

(Quellen: Dora Giannaki: Youth work in Greece: a historical overview. In: The history of youth work in Europe. Volume 4. Council of Europe and the European Commission, January 2014. S. 91-106., General Secretariat of the Government; Youth Policy Briefing; Committee on Cultural and Educational Affairs; Committee on Equality, Youth and Human Rights.)

Kinder- und jugendpolitische Schwerpunkte und Aktionsprogramme

Bis Ende September 2017 fand eine öffentliche Konsultation mit jungen Menschen und Jugendorganisationen statt, die das INEVIDIM organisierte. Daraufhin entwickelte das Generalsekretariat für lebenslanges Lernen und Jugend im Frühjahr 2018 die nationale Jugendstartegie für die Stärkung der Jugend mit dem Titel "Jugend 17-27" . In diesem Dokument werden die Grundsätze und Ziele der Jugendpolitik in Griechenland unter Berücksichtigung ihrer modernen Transformationen und ihrer soziologischen, wirtschaftlichen und kulturellen Dimensionen beschrieben.

Die Politische Planung für Jugendliche nimmt hauptsächlich die formelle Bildung in Sicht. Außerschulische Projekte werden zum Teil von Ministerien getragen und wenn sie regional sind, dann auch von den Regionen und den Kommunen. Momentan ist der wichtigste Ansprechpartner die Stiftung für Jugend und lebenslanges Lernen (INEVIDIM), die dem Generalsekretariat Lebenslanges Lernen und Jugend unterliegt, welches dem Ministerium für Bildung, Forschung und Religionen angehört.

Schwerpunkte der Kinder- und Jugendpolitik sind die Förderung des Unternehmergeistes bei jungen Leuten, das Zurückholen junger Griech(inn)en, die im Ausland leben und arbeiten, und die Behebung des Lehrermangels an Schulen.

Das Jugendparlament ist ein vom griechischen Parlament initiiertes Bildungsprogramm, das seit 1995 jährlich stattfindet. Es wird zusammengesetzt aus 300 Schüler(inne)n der 11. Klasse weiterführender Schulen (260 aus Griechenland, 20 aus Zypern und 20 von griechischen Auslandsschulen). Das Jugendparlament wird in Zusammenarbeit der Bildungsministerien in Griechenland und in Zypern durchgeführt. Ziele dieses Programms sind die Auseinandersetzung mit den Funktionen des Parlaments und die Entwicklung einer positiven Einstellung zur Bürgerbeteiligung in einer demokratischen Gesellschaft.

Erasmus + und Youth in Action befinden sich unter dem Schirm der Stiftung für Jugend und Lebenslanges Lernen (INEDIVIM). Die Nationale Agentur für die Programme befindet sich auch im INEVIDIM. Die Kontaktwebseite ist: http://erasmusplusyouth.gr/home/. Außerdem findet in Griechenland das Euromed-Youth-Programm Anwendung.

Eine Auswahl an aktuellen Aktionsprogrammen finden Sie hier:

Kinder- und jugendpolitische Einrichtungen und ihre Kompetenzen

Die Stiftung für Jugend und Lebenslanges Lernen (INEDIVIM) entstand 2012 aus einer Zusammenlegung der Nationalen Jugendstiftung und dem Institut für Lebenslanges Lernen. Sie arbeitet unter Aufsicht des Ministeriums für Bildung, Forschung und Religiöse Angelegenheiten. Im INEDIVIM sitzt die Griechische Nationalagentur für das Programm Erasmus+ Jugend. Die akademischen Programme von Erasmus+ werden jedoch nicht vom INEDIVIM koordiniert.

Verantwortlich für die weitern Programme Erasmus+ (2014-2020) ist das Institut für Nationale Stipendien, IKY, State Scholarship Foundation. Das Institut wurde 1951 zur Förderung der griechischen Kultur, Bildung, Forschung, Kunst und Sprache gegründet. Jährlich werden von der IKY Stipendienprogramme im In- und Ausland umgesetzt.

Seit 2003 ist durch eine Gesetzesänderung (Nr. 3094/2003) auch ein griechischer Ombudsmann für die Verteidigung und den Schutz der Rechte von Kindern zuständig. Hierfür ist der Ombudsmann berechtigt, über natürliche oder juristische Personen, die diese Rechte verletzen, Recht zu sprechen. Diesem Ombudsmann gehört der Ombudsmann 0-18 an, Themen wie Gewalt gegen Kinder, Bullying u.ä. behandelt und an den man sich als Kind und Jugendlicher anonym wenden kann.

Jede Region betreibt ein Gesundheits- und Präventionszentrum für Kinder und Jugendliche. Viele Gemeinden betreiben kommunale Sportzentren und in eher urbanen Gemeinden findet man auch kommunale Präventions- und Gesundheitszentren für Jugendliche. Neben den lokalorganisierten Zentren existiert griechenlandweit auch die Organisation OKANA, welche sich explizit mit den Themen Drogenabhängigkeit, Drogenprävention und Gesundheit beschäftigt. Eine besondere Stellung haben die Zentren für Psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen, darunter das Institut für Psychische Gesundheit für Kinder und Jugendliche.

Nationale und regionale Kinder- und Jugendräte

National

Der griechichische nationale Jugendrat (Hellenic National Youth Council, ESYN) wurde 1998 als Plattform von freien nicht staatlichen Jugendorganisationen gegründet. Derzeit umfasst der ESYN laut eigenen Angaben 59 Jugendorganisationen. Der Nationale Jugendrat möchte als offizielles Sprachrohr der griechischen Jugend im Ausland und als wichtigster Gesprächspartner der griechischen Regierung in Jugendfragen auf nationaler Ebene fungieren. Der ESYN nimmt an den Sitzungen des Interministeriellen Komitees für Jugend sowie des Organisationskomitees für das Jugendparlament teil und ist Mitglied im Europäischen Jugendforum, im Jugendforum des Mediterranen Raums, des Jugendrats der UNESCO sowie den Jugendgremien der Vereinten Nationen. (Quelle: ESYN).

Doch sehen sich nicht alle Jugendorganisationen in Griechenland durch den ESYN vertreten (vgl. auch Petkovic/Williamson 2015:65). Dies mag zum einen an den Statuten des ESYN liegen, die die meisten Jugendorganisationen der Zivilgesellschaft von einer Mitgliedschaft ausschließen: Mitgliedsorganisationen des ESYN müssen mindestens 200 Mitglieder zählen und in mindestens zwei bzw. drei Regionen (je nach Einwohnerzahl) vertreten sein.
In ihrem jährlichen Bericht zur Jugend in Griechenland zum Jahr 2011 bemängeln die Mitglieder der NGO Youthnet Hellas, dass die Zusammensetzung der Mitgliedsorganisationen des ESYN nicht transparent ist: Bei 59 aufgelisteten Mitgliedsorganisationen sind sechs Parteijugenden vertreten, während einige Organisationen kaum und andere gar nicht mehr aktiv sind (s. 2012:69).

Regional und lokal

Griechenland hat momentan keine offiziellen regionalen Kinder- und Jugendräte. Vereinzelt finden sich in einigen Kommunen Strukturen, die die Jugendarbeit fördern, doch Strukturen wie Jugendringe existieren nicht.

Die Verabschiedung des Gesetzes 3443/2006 regelte erstmalig die Gründung und Funktion der lokalen Jugendräte, von denen auf Initiative des Generalsekretariats für Jugend einige allerdings bereits seit 1997 aktiv waren. Erst 2008 konnte die eigentliche Umsetzung des Gesetzes durch die Einrichtung von Jugendregistern in den Kommunen und mit den ersten Jugendratswahlen stattfinden. Hauptabsicht der Arbeit der Jugendräte war die Verankerung eines Bewusstseins für die Bedürfnisse der Jugend und die Einreichung von Vorschlägen bei den lokalen Behörden in Bezug auf Bereiche wie Kultur, Beschäftigung, Drogenabhängigkeit, Sport, Bildung, Freiwilligenarbeit, Rassismus und Fremdenhass, berufliche Orientierung, Umwelt, Frieden, Gleichheit und Zugang zu Information. Seit 2008 haben aber keine Wahlen für Jugendräte stattgefunden. Diese Institution hat sich nicht etablieren können und existiert heute nicht.

(Quellen: Hellenic National Youth Council; Ministerium für Bildung, Forschung und Religiöse Angelegenheiten)

Jugendarbeit

Jugendverbandsarbeit
Glaubensgemeinschaftliche Angebote für Kinder und Jugendliche
Jugendinformation

Jugendverbandsarbeit

Soma Hellinon Proskopon ist der nationale Pfadfinderverband Griechenlands. Die Pfadfinderarbeit hat in Griechenland eine lange Tradition und die erste Pfadfindergruppe wurde bereits 1910 gegründet. Der Verband war Gründungsmitglied der World Organization of the Scout Movement im Jahre 1922.
Die Zahl der aktiven Mitglieder in Griechenland beläuft sich auf ca. 15 000 Menschen.
Mitglied bei den Pfadfindern kann jeder zwischen 6 und 30 Jahren werden, der in Griechenland ansässig ist. Die Mehrheit der Mitglieder gehört der Griechisch-Orthodoxen Kirche an, jedoch können junge Menschen aller religiösen und ethnischen Gruppen dem Verband beitreten.
Die Pfadfinder Griechenlands sind in der sozialen Hilfe und Hilfsaktionen bei Naturkatastrophen aktiv. Bei den starken Erdbeben in Kalamata, Athen und Kefallonia haben sie eine entscheidende Rolle gespielt.
Sie arbeiten eng mit den kirchlichen Gemeinden und Kommunen zusammen. Im Sommer organisieren sie ihre eigenen Lager in der Natur und realisieren Ausflüge.

Die YMCA Griechenland - der Christliche Verein Junger Menschen mit Sitz in Thessaloniki (XANTH) ist besonders im Norden Griechenlands ein wichtiger Verband, der hohe Anerkennung genießt. XANTH hat ein breites Angebot an Aktivitäten für Kinder und Jugendliche: Von fast allen Sportarten, über Theater und Kunst, bis zu eigenen Sommercamps ist bei XANTH für jeden was dabei. Zudem realisiert XANTH Projekte der Flüchtlings- und Jugendhilfe und der EU-Jugendkooperation. XANTH hat mehrere Mitglieder, darunter auch viele Sportvereine. Sie gilt als einer der Dachverbände und der Interessenvertreter der Jugendarbeit in Griechenland und das besonders in Makedonien und Thessaloniki.

2017 gegründete sich die Hellenic Youth Worker Association, die das Ziel hat, die Berufe der Jugendarbeit zu vertreten, voranzutreiben und die nötige Anerkennung von Staat und Gesellschaft einzufordern. Eine wichtige Aufgabe, um das gesamte Feld der außerschulischen und non-formellen Bildung voran zu treiben.


Eine große Herausforderung in der Verbandsarbeit ist, dass es keinen offiziellen Aufbau gibt, weder kommunal, regional noch national, und auch keiner offiziell für alle Jugendlichen sprechen kann. Das führt oft zu Konflikten zwischen Organisationen. Generell ist die Jugendverbandsarbeit weitgehend untervertreten innerhalb der Verbandsarbeit des Landes. Die Tendenz ändert sich aber.

Glaubensgemeinschaftliche Angebote für Kinder und Jugendliche

Orthodoxe Kirche in Griechenland.
Orthodoxe Kirche in Griechenland.Bild: PublicDomainPictures /pixabay.com

In Griechenland hat die Griechisch-Orthodoxe Kirche nahezu staatsreligiösen Charakter. Das orthodoxe Christentum ist laut Verfassung die „vorherrschende Religion“.
Dabei ist Griechenland religiös recht einheitlich, rund 97% der Bevölkerung sind orthodox.

Des Weiteren gibt es schätzungsweise ungefähr 100 000 muslimische Glaubensangehörige (die Zahl hat sich durch den Zuzug von Flüchtlingen um ein Vielfaches erhöht), rund 30 000 protestantische, 50 000 katholische und 5 500 jüdische Glaubensangehörige, außerdem ca. 28 800 Zeugen Jehovas und 12 000 Angehörige kleinerer Glaubensrichtungen.

Datenschutzrechtlich darf die Religionszugehörigkeit seit 2000 von staatlicher Seite nicht mehr personenbezogen registriert werden. Daher beruhen Angaben über die konfessionelle Zusammensetzung der Bevölkerung auf Schätzungen oder den Angaben privater Organisationen.

Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern ist die Religiosität in Griechenland recht hoch und das Bekenntnis zu Religion und religiösen Riten ist weit verbreitet. Eine Umfrage von KAPPA Research für die Zeitung „To Vima“ von April 2015 ergab, dass fast 82% der Griech(inn)en sich als Griechisch-Orthodox bekannten, 1,5% als Gläubige anderer Religion und knapp 15% als Atheist. (Quelle: To Vima, http://www.tovima.gr/society/article/?aid=694021)

Bis heute hat die Griechisch-Orthodoxe Kirche großen Einfluss auf die griechische Bevölkerung.
So wird in den Schulen jeden Tag vor dem Unterricht gebetet und die Ausbildung der Kinder ist auf die orthodoxe Religion abgestimmt. Der Religionsunterricht ist nach Artikel 16, §2 der Verfassung Pflicht. Schüler/-innen, die eine andere Religion haben, können vom Religionsunterricht befreit werden.
Als eines der nationalen Bildungsziele gibt die Verfassung die Entwicklung eines religiösen Gewissens bei der Jugend vor und dass die Kirche mit dem Staat in Bereichen des gemeinsamen Interesses, wie z.B. bei der christlichen Erziehung der Jugend, zusammenarbeiten soll. Ein Synodalkomitee beschäftigt sich mit der christlichen Erziehung und Jugend.

(Quelle und weitere Informationen zur Rolle der Religion in der griechischen Gesellschaft: Eurotopics: Die Rolle der Religion in der griechischen Gesellschaft)

Jugendarbeit hat in der griechisch-orthodoxen Kirche in Griechenland eine lange Tradition und es gibt eine Vielzahl an Angeboten und Dienstleistungen für junge Menschen. Sowohl lokal als auch gemeindeübergreifend ist die Kirche in der Jugendarbeit aktiv und vereinzelt werden auch Austauschprogramme mit Jugendlichen aus anderen Ländern durchgeführt.

  • Die Jugendabteilung der orthodoxen Kirche bietet Sonntagsschulen an. Die Kinder werden ähnlich wie in der Schule in Klassenstufen eingeteilt. Die Sonntagsschule findet sonntags nach der Messe in den Räumlichkeiten der Kirche statt. Durchgenommen werden religiöse Themen wie: das Leben der Heiligen, die Geschichten der Bibel, die Interpretation der biblischen Texte in der christlichen Kunst usw. Die Katecheten, selbst Absolventen dieser Schulen, sind speziell dafür ausgebildet.
  • Besonders beliebt sind die Sommerlager, die die Kirche jeden Sommer organisiert. Sie finden landesweit statt, sind geschlechtergetrennt und kostenlos.
  • Weitere Angebote und Leistungen der orthodoxen Kirche zur Unterstützung junger Griech(inn)en sind: finanzielle Unterstützung für Studierende in Form von Stipendien, Unterkünfte für Studierende, Waisenhäuser, finanzielle Unterstützung für junge benachteiligte Frauen, Unterstützung für alleinerziehende Mütter, Kindergärten, Hilfen für Drogenabhängige und ihre Familien, kostenlose Nachhilfe für Schüler/-innen u.s.w.
  • Einige große Gemeinden, darunter die zwei Gemeinden in Attika (http://neotita.gr) bieten im Rahmen der christlichen Erziehung Nachmittagsschulen, Sommerlager, Sportangebote uvm an.
  • Durch die Mitgliedschaft von griechisch-orthodoxen Gemeinschaften und Einrichtungen in der Weltgemeinschaft der orthodoxen Jugend SYNDESMOS (World Fellowship of Orthodox Youth) haben griechische Jugendliche die Möglichkeit, an internationalen Begegnungen und Festivals, die seitens SYNDESMOS organisiert werden, teilzunehmen.
  • Apostoli ist die Abteilung für Freiwilligendienste der orthodoxen Kirche in Griechenland und wurde 2010 vom Erzbistum in Athen als NGO gegründet. Apostoli arbeitet umfassend im In- und Ausland und kooperiert mit der Evangelischen Kirche in Deutschland im Projekt ElanDE.


Angebote von anderen Religionsgemeinschaften an die Jugend:

  • Die überkonfessionell-christliche YMCA in Griechenland kann als zweitälteste Jugendorganisation (nach dem Verband griechischer Pfadfinder) mit einer Gründung im Jahr 1921 auf eine lange Tradition zurückschauen. Anders als in Deutschland gibt es in Griechenland neben dem YMCA (XAN) auch die YWCA (XEN).
  • Die Griechische Evangelische Kirche leitet ein eigenes Sommerlager, das seit 1955 besteht. Seit seiner Gründung ist das Lager gewachsen und zu einer modernen Begegnungsstätte geworden.
  • Die katholische Ordensgemeinschaft der Marsiten leitet ebenfalls Sommerlager auf Tinos. Sie sind für Kinder aller Konfessionen zugänglich.


Offene Jugendarbeit
In Griechenland existieren Einrichtungen für Kinder und Jugendliche auf kommunaler Ebene. Manche sind selbstorganisiert, andere über der Gemeinde und manche als Vereine. Die Aktivitäten sind unterschiedlich und beziehen sich meistens auf konstruktive Freizeitaktivitäten sowie soziales Engagement. Ein paar Beispiele wären:

Berufsorientierung bietet die Nationale Agentur für Bescheinigungen und Berufsorientierung an. Außerdem existiert ein ähnlicher Service bei der Arbeitsagentur OAED.

Es existieren außerdem private und öffentliche Abenteuer- und Abenteuerparks, welche aber nicht sehr weit verbreitet sind. Farmen mit Tieren für Kinder und Jugendliche sind auch ein neuer Trend in Griechenland. Diese werden privat betrieben und darum müssen Besucherinnen und Besucher Eintritt bezahlen.

Jugendinformation

Der Informationsfluss für Jugendliche und Kinder wird hauptsächlich über die Schulen gewährleistet. Träger, die Informationen generieren und verteilen sind das Ministerium für Bildung und Religionen, das Ministerium für Kultur, das Generalsekretariat für lebenslanges Lernen und Jugend, die Stiftung Jugend und lebenslanges Lernen, das Netzwerk für Prävention und die Agentur für öffentliche Gesundheit. Eine nationale Strategie zur Jugendinformation besteht nicht.

Griechenland hat die European Youth Information Charter unterschrieben und auch Eurodesk existiert in Athen.

Das Europäische Jugendportal besteht auch in griechischer Sprache, das Auskunft über Austausch- und Freiwilligenprogramme in Europa bietet.