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Aktionsfelder im Kinder und Jugendbereich - Niederlande

Kinder im roten Tulpenfeld.
Kinder im roten Tulpenfeld.Bild: benscherjon / pixabay.com

Bildung und Beschäftigung

Bildung
Beschäftigung

Bildung

Nach der UNICEF-Vergleichsstudie zur Lage der Kinder in Industrieländern aus dem Jahr 2013 schneiden die Niederlande im Bereich Bildung im internationalen Vergleich am besten ab. Auch in den anderen untersuchten Dimensionen des kindlichen Wohlbefindens (materielles Wohlbefinden, Gesundheit und Sicherheit, Bildung, Verhalten und Risiken, Wohnen und Umwelt) befinden sich die Niederlande in der Spitzengruppe.

Dennoch gibt es sozial, kulturell und wirtschaftlich benachteiligte Gruppen innerhalb der niederländischen Bevölkerung, deren Bildungsstand erhebliche Defizite aufweist. (Quelle und weitere Informationen: Report on the Young 2002.)

Informationen zum Bildungssystem der Niederlande unter www.bildung-weltweit.de und in der Europäischen Enzyklopädie zu nationalen Bildungssystemen EURYPEDIA.

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Beschäftigung

Seit Ende 2008 hat auch in den Niederlanden die Wirtschaftskrise zu einer rasch ansteigenden Jugendarbeitslosigkeit geführt. Seit 2010 jedoch ist die Jugendarbeitslosigkeit stetig zurückgegangen. Die Niederlande haben mit 9,7 % (2014) eine sehr geringe Jugendarbeitslosenquote im europäischen Vergleich (EU-Zone: 23,7 %, Quelle: statista). Dies ist einerseits auf eine Reihe von Maßnahmen zurückzuführen, die die niederländische Regierung in den vergangenen 10 Jahren zur Bekämpfung von Jugendarbeitslosigkeit und Schulabbrechern eingeführt hat andererseits auch auf die Tatsache, dass immer mehr Jugendliche länger zur Schule beziehungsweise an Hochschulen und Universitäten gehen. Derzeit besuchen 38 % der 25- bis 34-Jährigen eine Hochschule. Sie treten auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr als jugendliche Arbeitnehmer/innen auf.

Außerdem sind Jugendliche in den Niederlanden sehr mobil, wenn es um Beschäftigung geht. Staatliche (Regionale Bureaus voor Arbeitsvoorzienung, RBA = Regionale Büros für Arbeitsvermittlung) und private Arbeitsvermittlungsinstitute bieten eine Fülle von Zeitjobs, die von jungen Leuten gerne angenommen werden. Die RBA's wurden vom Arbeitsministerium, von den Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden gemeinsam eingerichtet.

1991 wurde in den Niederlanden ein Gesetz verabschiedet, in dem Jugendlichen ein Arbeitsplatz auf Zeit garantiert wurde (Jeugdarbeidsgarantieplan). Jugendlichen unter 21, die mindestens ein halbes Jahr arbeitslos gewesen sind, muss vom Staat ein befristeter Arbeitsplatz angeboten werden. Jungen Leuten zwischen 21 und 27 Jahren, die sechs Monate nach ihrer Ausbildung noch immer arbeitslos sind, muss ebenfalls eine solche Stelle angeboten werden. Auf diese Weise soll ihnen die Möglichkeit geboten werden, überhaupt Arbeitserfahrungen zu sammeln. Jugendlichen, die sich weigern, einen angebotenen Job anzunehmen, wird die Sozialhilfe gekürzt.

In Erweiterung des genannten Gesetzes soll das seit dem 1.1.1998 gültige Gesetz zur Einbeziehung Arbeitsuchender (Wet Inschakeling Werkzoekenden) für Jugendliche und Erwachsene eine schnellere Vermittlung auf dem Arbeitsmarkt beziehungsweise in befristete gemeinnützige Stellen bringen. Das Gesetz bündelt mehr oder weniger bereits vorhandene Gesetze und Regelungen und soll deren Einsatz effektiver gestalten. Mit Hilfe des Gesetzes sind in den letzten Jahren mehr Arbeitsplätze geschaffen worden, gleichzeitig ist auch der Druck auf die junge Generation gewachsen, jede angebotene Arbeit anzunehmen.

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Gesundheit und Wohlbefinden

Gesundheit
Sport

Gesundheit

Die Niederlande sind nach der aktuellen internationalen UNICEF-Vergleichsstudie aus dem Jahr 2013 zum kindlichen Wohlbefinden einschließlich der Kindergesundheit in Industrieländern erstplatziert – wie schon in den vorherigen UNICEF-Studien (2007, 2010). Die gute Situation spiegelt sich auch in der Selbsteinschätzung und dem subjektivem Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen in den Niederlanden wider.

Auch wenn niederländische Kinder und Jugendliche allgemein über eine gute Gesundheit verfügen, gibt es abhängig von ihrer Schichtzugehörigkeit Unterschiede. So ist der gesundheitliche Zustand von Zuwandererkindern in der Regel schlechter als der ihrer niederländischen Altersgenoss(inn)en. 

Drogen

Käse, Tulpen und Coffeeshops sind die Stichwörter, die zu den Niederlanden einfallen. Seit mehreren Jahren werden in den Coffeeshops in den Niederlanden weniger Kaffeetassen als vielmehr weiche Drogen serviert. Zum eigenen Gebrauch, ausdrücklich nicht zum Weiterverkauf, werden in den Coffeeshops Cannabisprodukte wie Marihuana und Haschisch an Privatpersonen über 18 Jahren verkauft. Alkoholische Getränke dürfen dort nicht verkauft werden. In der Regel beläuft sich die Menge auf zirka fünf Gramm. Der Stoff entstammt meist der einheimischen Produktion aus Gewächshäusern.

Der Verkauf ist nicht erlaubt, wird jedoch geduldet. Der Besitz von weichen Drogen ist in kleineren Mengen in den Niederlanden strafbar, aber nicht strafwürdig. Coffeeshops, die ihren Besuchern außer weichen auch harte Drogen anbieten, werden rigoros von der Polizei geschlossen. Mit dieser Toleranz gegenüber weichen Drogen soll nach Meinung der politisch Verantwortlichen in den Niederlanden die Kontrolle über den Drogenkonsum und die Trennung der illegalen Märkte von harten und weichen Drogen erreicht werden.

Seit einigen Jahren wird in den Niederlanden Heroin unter ärztlicher Kontrolle an Drogenabhängige ausgegeben. Ihrer Kriminalisierung soll hiermit entgegengewirkt und ihre Eingliederung in den Arbeitsprozess und die Gesellschaft gefördert werden. Die Drogenabhängigen werden in einem ganzheitlichen Ansatz betreut, der verhindern soll, dass sie in eine soziale Isolierung geraten. Die Ergebnisse wissenschaftlicher Untersuchungen scheinen diesen Weg zu bestätigen. Die Zahl der Herointoten ist wesentlich niedriger als in anderen westeuropäischen Ländern.

Modedrogen wie Ecstasy und andere Labordrogen sind in den Niederlanden genauso verbreitet und verboten wie in anderen Ländern. Sie werden aber nach wie vor in den größeren Städten relativ unbehelligt öffentlich angeboten, vor allem an Stellen, wo sich viele junge, ausländische Gäste aufhalten, wie im Zentralbahnhof von Amsterdam.

Ähnlich wie im Bereich der Jugendkriminalität versucht man dem Problem mit intensiven Präventionsprogrammen beizukommen. Diese richten sich sowohl auf den Konsum von harten und weichen Drogen als auch von Alkohol. Ken je maat (Erkenne dein Maß) ist beispielsweise eine Anti-Alkoholkampagne, die sich insbesondere an jugendliche Moped-, Motor- und PKW-Fahrende richtet.

Link-Tipps

Sport

Niederländische Kinder und Jugendliche betreiben viel Sport, sowohl allein als auch in der Gruppe. Viele schließen sich Sportvereinen an. Populär sind Sportarten wie Fußball, Volleyball, Basketball, Hockey, aber auch Eisschnelllauf, Tennis, Judo, Baseball.

In den Niederlanden ist Korbball, das in gemischten Teams von Männern und Frauen gespielt wird, sehr beliebt.

Viele Städte halten für einzelne Sportarten informelle Treffs bereit: kleine Skater-Anlagen, kleine eingezäunte Fußball- und Basketballplätze.

Im Jahr 2001 haben das Ministerium für Volksgesundheit, Wohlfahrt und Sport und das Ministerium für Soziales und Arbeit ein Pilotprogramm mit dem Titel "Sport und Kinderbetreeung" ins Leben gerufen. Umgesetzt wurde dieses Programm vom Niederländischen Institut für Sport und Bewegung (NISB) und dem Netzwerkbüro für die Verbesserung der Kinderbetreuung (Netwerkbureau Uitbreiding Kinderopvang). Ziele waren die Belebung der Sportvereine, der Kampf gegen Bewegungsarmut bei Kindern und die Verbesserung der Kinderbetreuung in den Niederlanden. Inzwischen ist die Verantwortung zu großen Teilen auf die regionalen und kommunalen Sportverbände übertragen worden. 

Weitere Informationen zum Sport in den Niederlanden unter:

Partizipation und Citizenship

Politische Bildung
Freiwilliges Engagement

Politische Bildung

In den Niederlanden sind auch Jugendliche politisch aktiv und interessiert. 1976 beschloss die Regierung, die politische Beteiligung von jungen Menschen durch die Gründung politischer Jugendorganisationen zu befördern. Diese Jugendorganisationen sind unabhängig, haben aber sehr wohl Verbindungen zu politischen Parteien. Ein Gründungskriterium ist die Anerkennung durch eine im Parlament vertretene Partei, ein anderes die Mitgliederzahl, die mindestens 1000 umfassen muss.

Jonge Socialisten – JS (Junge Sozialisten)
Internet: www.js.nl

Jongerenorganisatie voor Vrijheid en Democratie – JOVD (Jugendorganisation für Freiheit und Demokratie
Internet: www.jovd.nl

Christen Democratische Jongeren Appèl – CDJA (Christdemokratische Jugendorganisation)
Internet: www.cdja.nl

Jonge Democraten – JD (Junge Demokraten)
Internet: www.jongedemocraten.nl

DWARS (Grün-Linke Jugendorganisation)
Internet: www.dwars.org

Ein niederländisches Jugendbildungsgesetz gibt es nicht. Politische Jugendbildung findet in der Freizeit statt. Seminare und sonstige Aktivitäten der politischen Jugendbildung werden von den Jugendorganisationen (oder anderen Organisationen) am Abend, an Wochenenden oder in den Ferien angeboten. 

Jugendbildungsstätten gibt es kaum. Meist haben Erwachsenenbildungsstätten oder Europa-Häuser zusätzlich zu ihrem Erwachsenenprogramm spezielle Angebote für Jugendliche.

Link
Reader zur "Jugendbeteiligung vor Ort" mit internationalen Praxisbeispielen aus der Schweiz, Finnland, den Niederlanden, Großbritannien und Frankreich. IJAB Bonn, 2012. Download hier ...

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Freiwilliges Engagement

Informationen zum Thema "Freiwilliges Engagement (Voluntary Acitivities)" erhalten Sie im European Knowledge Centre for Youth Policy unter: http://pjp-eu.coe.int/en/web/youth-partnership/voluntary-activities1

 

 

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Kultur und Kreativität

Ein besonderes Angebot in den Niederlanden ist der Cultureel Jongeren Paspoort (CJP), ein jugendspezifischer Kulturausweis. Dieser kann von Jugendlichen zwischen 12 und 25 Jahren gegen ein geringes Entgelt beantragt werden. Der/die Ausweisbesitzer/in erhält Preis-/Eintrittserlässe bei sehr vielen kulturellen Ereignissen und Einrichtungen. Informationen unter www.cjp.nl.

Die Kunstbende (Kunstclique) organisiert jährlich im ganzen Land Wettbewerbe für Jugendliche von 14-18 Jahren. Die Teilnehmenden können Beiträge aus den Bereichen Photographie, Video, Tanz, Gestaltung, Musik, Schreiben und anderen einreichen. Die regionalen Vorrunden finden im April statt, das Finale einige Monate später (www.kunstbende.nl).

Die Stichting Popmuziek (Stiftung Popmusik) koordiniert in vielen Regionen die Aktivitäten von Jugendlichen in Musikbands. Sie informiert über Popbands in der Region, vermittelt Auftrittsmöglichkeiten, richtet Proberäume ein. In Zwolle hat die regionale Stichting Popmuziek Overijssel 1997 ein multifunktionelles Zentrum eingerichtet. Hier gibt es sowohl Auftrittsmöglichkeiten für Bands wie auch ein modernes Tonstudio. Informationen unter www.popinstituut.nl.

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Integration von Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund

Im Jahr 2014 beantragten 3780 Kinder in den Niederlanden Asyl. 2015 stieg die Anzahl der Asylanträge von Kindern auf 6420. Auf diesen Anstieg war die niederländische Kinderbetreuung nicht vorbereitet, so dass 7440 Kinder zum Zeitpunkt 1. Januar 2016 in Notunterkünften untergebracht waren. (Informationen zur aktuellen Situation im Jaarbericht Kinderrechten 2016 und Wachten op je toekomst, Kinderombudsman 2016)

Seit 30. September 1998 ist in den Niederlanden das Gesetz zur Eingliederung von Neuzugewanderten (WIN) in Kraft. Aufgrund dieses Gesetzes ist jede/r Neuzugewanderte verpflichtet, sich zu einer Eingliederungsprüfung anzumelden. Bei dieser Prüfung wird festgestellt, ob der/die Neuzugewanderte ein Integrationsprogramm absolvieren muss. Er/Sie kann zur Teilnahme an einem solchen Programm gezwungen werden. Das Programm umfasst Niederländisch­unterricht sowie gesellschaftliche und berufliche Orientierung. Außerdem werden die Neuzugewanderten sozial betreut und während der Absolvierung des Programms begleitet. Am Integrationsprogramm können auch 16- und 17-Jährige teilnehmen, falls diese nicht mehr vollständig schulpflichtig sind und nicht in das reguläre Schulsystem aufgenommen werden können. Für die Umsetzung der niederländischen Einwanderungspolitik ist der Immigrations- und Einbürgerungsdienst (Immigratie- en Naturalisatiedienst) zuständig, der dem Justizministerium untersteht.

Das Niederländische Institut für Sorge und Wohlfahrt (NIZW) ist neben der expliziten jugendpolitischen Arbeit auch mit sozialpolitischen Aufgaben betraut und betreut hier unter anderem Projekte zur Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Einen Schwerpunkt bildet das Programm "Multikulturelles Stadtviertel" (Multiculturele Buurt).

Als nationale Koordinierungsstelle war FORUM, das Institut für Multikulturelle Entwicklung tätig. FORUM engagierte sich in diversen Bereichen wie Erziehung, Kommunikation, Gesetzgebung, Wohnungsbau, Beschäftigung, Bildung, Gesundheit, Freizeit, Sport, Partizipation, Kunst und Kultur und wurde vom Ministerium für Gesundheit, Wohlfahrt und Sport gefördert. Seit 1. Januar 2015 existiert FORUM nicht mehr. Die Aufgaben im Bezug auf Migrationsrecht wurden von der 2014 gegründeten Stichting Migratierecht (Stiftung für Migrationsrecht) übernommen. 

Integratie & Samenleving (Integration und Gesellschaft) ist eine auf drei Jahre angelegte Plattform  für Forschung, Beratung, praktische Ratschläge und Methoden in Bezug auf Fragen der Integration, Migration und Vielfalt in den Niederlanden. Sie wird vom niederländischen Ministerium für Soziales und Arbeit gefördert. Hauptthemen sind: neue Migration, soziale Stabilität, Inklusion und Zugang und Partizipation.

Die unabhängige Stiftung WijkAlliantie fördert unter anderem Projekte zur Integration junger Migrantinnen und Migranten. Einige Dokumentationen (zum Beispiel zum Selbstbild junger Marokkaner in den Niederlanden) finden sich auf der Homepage der Stiftung.

Auch die Kirchen und Glaubensgemeinschaften engagieren sich in der Integrationsarbeit mit Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund (vergleiche die Link-Tipps unter Kinder- und Jugendpolitik - Grundlagen und Strukturen > Jugendarbeit > Glaubensgemeinschaftliche Angebote für Kinder und Jugendliche).

Migration von Jugendlichen von den Niederländischen Antillen in die Niederlande
Eine besondere Rolle zum Thema Migration spielen die zum Königreich der Niederlande gehörenden Antillen. Hier wurde in den letzten Jahren eine deutliche Zunahme an Auswanderungen vor allem junger Leute registriert, die fast ausschließlich in die Niederlande emigrieren. Bereits 1992 wurde aus diesem Grund eine "Task Force Antillische Jugendliche" eingerichtet, das ab 1999 direkt dem Ministerium für Erziehung, Kultur, Jugend und Sport unterstand. Mit der Umstrukturierung der antillischen Regierung im Januar 2002 wurde die Task Force in "Abteilung für Jugend und Jugendentwicklung" umbenannt und bildet heute zusammen mit der Abteilung für Erziehung, Kultur und Sport das Ministerium für Erziehung und Kultur. Die jugendpolitischen Strukturen der Antillen sind also direkt aus der Emigrationsproblematik hervorgegangen.

Links

Jugendsozialarbeit und Hilfen für Kinder

Der überwiegende Teil der Kinder und Jugendlichen in den Niederlanden bietet keinen Anlass zur Sorge. Sie sind gesund, ihr Bildungsstand ist stetig steigend und sie haben keine beziehungsweise kaum familiäre Probleme. Etwa 15% der jungen Leute benötigen jedoch zur ein oder anderen Zeit professionelle Hilfe und Unterstützung, wobei man bei etwa 5% von schwerwiegenden sozialen und/oder psychologischen Problemen sprechen muss.

Die niederländische Jugendpolitik befasst sich zwar prinzipiell mit allen Kindern und Jugendlichen, doch in den letzten Jahren schenkte man den Risikogruppen besondere Aufmerksamkeit (zum Beispiel Jugendliche mit geringen Chancen auf dem Arbeitsmarkt). Dies geht unter anderem auf Studien zurück, die einen steigenden Alkohol-, Zigaretten- und Drogenkonsum sowie die Zunahme allgemeiner Stress-Symptome und einen sinkenden allgemeinen Wohlstand unter den jungen Leuten diagnostizierten.

Der Bereich der Jugendsozialarbeit in den Niederlanden ist eines der Hauptarbeitsfelder der Kinder- und Jugendhilfe. Die Organisation Jeugdzorg Nederland vereint unter ihrem Dach rund 50 Organisationen aus dem Bereich des Kinder- und Jugendschutzes.

Die Niederlande sind Mitglied des European Network of Ombudsmen for Children (ENOC). In diesem Netzwerk sind unabhängige Büros für Kinder in europäischen Ländern zusammengeschlossen, die sich für die Verwirklichung der UN-Kinderrechtskonvention einsetzen. Sie unterstützen eine gemeinsame Lobbyarbeit für die Kinderrechte, tauschen Informationen und politische Strategien aus und werben für die Entwicklung effektiver unabhängiger Kinderbüros. - Informationen zum niederländischen Büro unter www.dekinderombudsman.nl

Einige Maßnahmen und Projekte im Einzelnen

Im Oktober 2003 wurde vom Ministerium für Soziales und Arbeit und dem Ministerium für Erziehung, Kultur und Wissenschaft die "Taskforce Jugendarbeitslosigkeit" ins Leben gerufen. Sie hat es sich zum Ziel gesetzt, dass die Jugendarbeitslosigkeit in der laufenden Legislaturperiode nicht mehr als das Doppelte der allgemeinen Arbeitslosigkeit betragen wird und will bis Mai 2007 40.000 zusätzliche Stellen für junge Leute bis 23 Jahre schaffen.

Da es keine spezifische Familienpolitik in den Niederlanden gibt, wurde Anfang der neunziger Jahre das Arbeitsfeld der Familienhilfe eingeführt. Ihr Schwerpunkt ist die Unterstützung von Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder durch individuelle Beratung, Eltern-Kurse oder Hausbesuche, bei denen gezielte Maßnahmen besprochen und in die Wege geleitet werden können.

1981 wurde in Rotterdam das erste HALT-Büro eröffnet. HALT bedeutet "stop" und bezieht sich auf "Het ALTernatief" (die Alternative) im Niederländischen. Dahinter verbirgt sich ein spezielles Jugendstrafrechts-System, das die besondere Situation von Kindern und Jugendlichen berücksichtigt und auf Erziehungs- und Reintegrationsmaßnahmen basiert. Junge Straftäter von 12 bis 18 Jahren, die zum ersten Mal einen geringfügigen Delikt begangen haben, können sich für diese Prozedur entscheiden, und umgehen damit eine gerichtliche Verfolgung und gegebenenfalls ein Strafverfahren.
Die Kosten für dieses Verfahren trägt die Regierung, wobei HALT Nederland im Januar 2003 die Verwaltung der Mittel vom Justizministerium übernommen hat.

Ein Netzwerk von niederschwelligen Rechtsberatungsstellen für junge Menschen ist der Verband der Kinder- und Jugendrechtsläden (Landelijke Vereniging van Kinder- en Jongerenrechtswinkels). Inzwischen existieren landesweit 11 Einrichtungen, die zwar rechtlich selbstständig sind, jedoch alle den gleichen Namen und ein einheitliches Logo führen. Sie bieten kostenlos und - wenn gewünscht - anonym rechtliche Hilfestellung z.B. in arbeits- oder familienrechtlichen Fällen, bei gesundheits-, ausländer- oder sozialrechtlichen Problemen und auch in strafrechtlichen Konflikten an. Ihre Aufgabe sehen sie sowohl in der Information, Beratung und Unterstützung junger Menschen bei rechtlichen Problemen (inkl. aktiver Rechtshilfe), als auch in der Information von Eltern, Erzieher/innen, Lehrer/innen und anderen relevanten Personen und Behörden über die Rechtsstellung von Kindern und Jugendlichen. (Ausführliche Informationen finden sich im Artikel von Prof. Dr. jur. Thomas Trenczek: Niederschwelliger Zugang zum Recht? Kinderrechtsläden in den Niederlanden; in: FORUM Jugendhilfe 1/2005, 71-76.)

(Die beiden ersten Textabschnitte gehen auf Dokumente des NIZW zurück, siehe dazu www.youthpolicy.nl)

Link-Tipps

  • www.jeugdwerkloosheid.nl - Homepage der "Taskforce Jugendarbeitslosigkeit" 
  • www.youthpolicy.nl > Parenting Support - Informationen zur Familienhilfe durch das NIZW 
  • www.halt.nl - Homepage von HALT (Ein englischsprachiges Dokument mit näheren Informationen zu diesem Projekt lässt sich unter dem Menüpunkt "Informatie" herunterladen.) 
  • www.defenceforchildren.nl - Homepage der Organisation "Defence for Children International" (Die Organisation informiert über Kinderrechte auf der Basis der UN-Kinderrechtskonvention und deren Implementierung in niederländisches Recht, spürt Kinderrechts-Verletzungen auf und klagt sie an und initiiert Projekte zum Schutz der Kinderrechte.) 
  • www.kinderrechtswinkel.nl - Information und Beratung für Kinder und Jugendliche zu ihren Rechten 
  • www.savethechildren.nl - "Save the Children" Niederlande
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Zentrale Einrichtungen und Organisationen

In den internationalen Netzwerken spielen die niederländischen Organisationen eine wichtige Rolle:

Zusammenarbeit mit Deutschland

Das deutsch-niederländische Programm der jugendpolitischen Zusammenarbeit löste das Sonderprogramm für den Austausch der jungen Generation, das 1961 im Rahmen des Kulturabkommens zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Königreich der Niederlande vereinbart wurde, ab. Im Rahmen dieses Programms wurde bisher der binationale Austausch von Fachkräften der Kinder- und Jugendhilfe gefördert. 

Deutschland plus richtet sich insbesondere an niederländische Schüler/innen und Lehrpersonal, die Kontakte nach Deutschland pflegen, ermöglicht ihren Austausch und fördert Sprachkurse.

Das Prämienprogramm ermöglicht Stipendien für niederländische Schüler/innen in weiterführenden Schulen, die über sehr gute Noten in Deutsch verfügen. Eine gute Übersicht über die gemeinsamen Erklärungen und Abkommen Nordrhein-Westfalens mit den Benelux-Ländern gibt es auf der Homepage NRW.in Europa unter www.europa.nrw.de bzw. für das Land Niedersachsen auf deren Homepage unter www.niedersachsen.de/master/C416703_N403535_L20_D0_I198.html.

Zusammenarbeit mit anderen Ländern

Die Niederlande haben mit einer ganzen Reihe von Ländern kulturelle Sonderverträge und Abkommen abgeschlossen, in denen auch der Jugendaustausch zwischen den Ländern geregelt ist. Diese bilateralen Verträge bestehen insbesondere mit den angrenzenden Staaten, mit Ländern, die sich in einem demokratischen und sozialen Umstrukturierungsprozess befinden, mit Ländern, die auf Grund ihrer Entwicklung das spezielle Interesse der Niederlande verdienen und mit den Herkunftsländern ethnischer Minderheiten in den Niederlanden. Daneben gibt es bilaterale Kooperationen, die auf der regionalen Ebene, beispielsweise von den Provinzen, stattfinden.

Eine Reihe niederländischer Städte verfügt über städtepartnerschaftliche Verbindungen mit ausländischen Kommunen (Informationen hierüber findet man meist auf den Homepages der einzelnen Städte, zum Beispiel www.amsterdam.nlwww.eindhoven.nl etc.: Städtepartnerschaft heißt stedenband, Partnerstadt heißt susterstad).

Die niederländischen Jugendorganisationen werden im Europäischen Jugendforum durch den Nationalen Jugendrat (Nationale Jeugraad) vertreten. Im Jeugdraad wird die Arbeit des früheren Niederländischen Komitees für Multilaterale Jugendarbeit ("Komitee 31"), der Nationaal Jeugddebat, des Jeugd Netwerk Nederland und des Nationalen Jugendrats für Umwelt und Entwicklung (Nationale Jongerenraad voor Milieu en Ontwikkeling) vereinigt, koordiniert und intensiviert.

Ähnliches gilt für das Referat Jugendpolitik im Ministerium für Gesundheit, Wohlfahrt und Sport, das in den relevanten Gremien der Europäischen Union (EU) und der Vereinten Nationen vertreten ist.

Mehrere niederländische Kinder- und Jugendorganisationen beziehungsweise Organisationen, die unter anderem für Kinder und Jugendliche zuständig sind, arbeiten selbst aktiv mit in den internationalen Gremien der EU oder UNESCO.

Weitere Informationen zur internationalen Zusammenarbeit der Niederlande stellt auch die Homepage des NIZW unter www.youthpolicy.nl > International Relations zur Verfügung.

Link-Tipps

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Mobilität

Die Niederlande sind Mitglied in der European Youth Card Association (EYCA). Informationen zu Vergünstigungen mit der Europäischen Jugendkarte EURO26 (und jede Menge weiterer Informationen zu kulturellen Veranstaltungen, Reiseangeboten, ...) gibt es unter http://www.cjp.nl.

Ebenso sind die Niederlande Programmland im europäischen Aktionsprogramm Erasmus+ JUGEND IN AKTION. Die niederländische Nationalagentur für die Umsetzung des Programms ist das Nederlands Jeugdinstituut Internationaal mit Sitz in Utrecht.

Weitere Informationen zu den Niederlanden für junge Leute auf dem Europäischen Jugendportal: http://europa.eu/youth/NL_de

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Impressum aus Scrabblesteinen gelegt.
Impressum aus Scrabblesteinen gelegt. Bild: mih83 / pixabay.com

Impressum - Niederlande

Die Länderinfos zu den NIEDERLANDEN wurden zusammengestellt von: IJAB - Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V.

Letzte Aktualisierung: November 2017

Kontakt: dija(at)ijab.de