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Aktionsfelder im Kinder- und Jugendbereich - Tschechien

Hier gibt's Infos zu Aktionsfeldern im Kinder- und Jugendbereich in Tschechien. Mehr lesen unter

Bildung und Beschäftigung

Bildung 
Beschäftigung

Bildung

Informationen zum Bildungssystem in Tschechien unter www.bildung-weltweit.de und in der Europäischen Enzyklopädie zu nationalen Bildungssystemen EURYPEDIA.

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Beschäftigung

Verantwortlich für die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit sind auf nationaler Ebene das Ministerium für Arbeit und soziale Fragen (Ministerstvo práce a sociálních v?cí) und auf Gemeindeebene die Arbeits- und Schulämter. Letztere führen Programme durch, mit denen benachteiligte Jugendliche bei der Suche nach Arbeit unterstützt werden. Zudem unterhalten die Regionen Informations- und Beratungszentren bei den Arbeitsämtern (Informa?ní a poradenská st?ediska (IPS) p?i ú?adech práce), die Jugendlichen bei der Entscheidung über die Berufswahl helfen. Sie beraten zudem Absolvent(inn)en bei der Stellensuche.

Die Arbeitslosigkeit der Unter-25-Jährigen ist in Tschechien 2009 infolge der Wirtschafts- und Finanzkrise sprunghaft angestiegen. Waren 2008 9,9 % der jungen Menschen unter 25 Jahren arbeitslos, hatten 2009 16,7 % keine Arbeit (allgemeine Arbeitslosenquote 2009: 6,7 %). Tschechien folgte damit dem europaweiten Trend, lag jedoch immer noch deutlich unter der durchschnittlichen Quote der Jugendarbeitslosigkeit in der Europäischen Union (2009: 19,8 %).

Vor einer besonderen Herausforderung stehen junge Menschen nach dem Schul- oder Studienabschluss. Es gibt immer weniger Arbeitsplätze für Absolvent(inn)en. Allgemein gilt, dass Jugendliche mit einer technischen (Maschinenbau, Elektrotechnik, Informationstechnologie etc.) oder handwerklichen Ausbildung leichter Arbeit finden als Studierende in den humanistischen Bereichen. Hier kommen nach Angaben des tschechischen Ministeriums für Arbeit und Soziales auf eine freie Stelle 8,9 Bewerbungen von Schulabgänger(inne)n und Absolvent(inn)en.

Eine besonders kritische Gruppe bilden Jugendliche ohne Qualifikation, die nur über einen Grund- oder Förderschulabschluss verfügen. Dabei handelt es sich oft um Roma. Um diesen Jugendlichen den Einstieg in das Berufsleben zu erleichtern, hat der Staat geförderte, so genannte gemeinnützige Arbeitsplätze geschaffen.

In Tschechien ist es eher unüblich, im Rahmen des Studiums ein Praktikum zu absolvieren. Viele junge Leute haben aber einen Ferienjob, um Geld zu verdienen. In vielen Fällen handelt es sich dabei um eine unqualifizierte Arbeit, die schlecht bezahlt ist.

Quellen: 

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Gesundheit und Wohlbefinden

Gesundheit 
Sport 

Gesundheit

Mehr als 90 % der 15- bis 24-Jährigen in Tschechien beurteilten ihren Gesundheitsstatus 2006 als gut oder sehr gut und unterscheiden sich damit nicht von Jugendlichen in vielen anderen EU-Mitgliedstaaten (EU-Durchschnitt: 91,6 %). 16,6 % der Altersgruppe litten an Übergewicht bzw. Fettleibigkeit (EU-Durchschnitt: 17,7 %) und 8,9 % an Untergewicht (EU-Durchschnitt: 9,4 %). 2006 waren 41,9 % der neu diagnostizierten HIV-Infizierten in Tschechien 15 bis 29 Jahre alt (EU-Durchschnitt: 27,8 %). Dabei wurde die Krankheit in 48,6 % der Fälle durch sexuellen Verkehr zwischen homosexuellen Männern und in 43,2 % der Fälle durch sexuellen Verkehr zwischen Heterosexuellen übertragen. 

Gemäß einer Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) aus dem Jahr 2007, welche das Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen in reichen Staaten untersuchte, befindet sich die Tschechische Republik im unteren Drittel des Rankings. Dort nimmt sie allerdings den Spitzenplatz vor Frankreich, Portugal, Österreich, Ungarn, den USA und Großbritannien ein.

Familie

Eine typische tschechische Familie hat ein bis zwei Kinder. Laut Umfragen finden Tschech(inn)en zwei Kinder pro Familie ideal. In der Realität hat jede Frau durchschnittlich 1,5 Kinder (2008). In den frühen 1990er Jahren sank die Zahl der neugeborenen Kinder, doch kann seit 1998 ein stetiger Aufwärtstrend beobachtet werden. Als ein Grund hierfür wird die „starke“ Generation der jetzt 30-Jährigen angesehen: In den 1970er Jahren führte die damalige Regierung Maßnahmen zur Förderung des Bevölkerungswachstums durch, in deren Folge viele Kinder geboren wurden. Diese Kinder sind jetzt erwachsen und werden selbst Eltern.

Seit den frühen 1990ern sinkt die Zahl der Eheschließungen und steigt das Alter der Paare bei der ersten Eheschließung (2008: 28,8 Jahre bei Frauen, 31,4 Jahre bei Männern). Entsprechend älter sind die Eltern bei der Geburt des ersten Kindes. Viele Kinder werden außerehelich geboren. Viele junge Erwachsene in Tschechien empfinden die Ehe als veraltet. Gleichzeitig steigt die Zahl der Scheidungen - auch unter jungen Menschen. Mittlerweile wird fast jede zweite tschechische Ehe geschieden.

Wohnsituation

Anders als in Deutschland bleiben die meisten Jugendlichen in Tschechien recht lange bei ihren Eltern wohnen. Es ist keine Ausnahme, wenn auch junge Erwachsenen über 25 Jahre noch Zuhause leben. Der Grund hierfür ist einfach: Der Wohnungsmarkt in Tschechien ist schwierig. Mieten und Kaufpreise für Wohnungen sind teuer. Für junge Erwachsene ist es fast unmöglich, eine eigene Wohnung zu kaufen. Viele bleiben deshalb so lange bei den Eltern, bis sie sich eine Hypothek leisten können. Wohngemeinschaften sind in Tschechien hauptsächlich bei Studierenden üblich.

Freizeit

Fragt man tschechische Kinder nach ihren Hobbys, erfährt man, dass sich die meisten von ihnen für Computer (Internet, PC-Spiele etc.) interessieren. Kinder und Jugendliche verbringen ihre Freizeit am liebsten mit ihren Freunden und gestalten diese Treffen am liebsten individuell. Organisierten Aktivitäten (zum Beispiel von Jugendorganisationen) stehen sie eher ablehnend gegenüber. Gleichzeitig haben Diskussionen im Rahmen des Projektes „Kulaté stoly“ (Runde Tische) gezeigt, dass Jugendliche über mangelhafte Freizeitangebote in kleineren Städten und auf dem Lande klagen.

Wertvorstellungen

Tschechische Jugendliche bilden keine einheitliche Gruppe. Untersuchungen zeigen, dass sie verschiedenen Wertvorstellungen folgen. Charakteristisch scheint jedoch für die meisten das Interesse an anderen Menschen und am öffentlichen Geschehen zu sein. Die meisten Jugendlichen identifizieren sich mit der Gesellschaft. Auf der anderen Seite zeigt sich aber auch ein Trend zum Egoismus bzw. zur Konzentration auf das eigene Ich. Die Verantwortung für den Anderen sinkt. Typisch ist die Orientierung an der so genannten Mainstream-Kultur. Die kommerziellen Medien beeinflussen junge Leute immer stärker und bilden eine neue für Jugendliche immer wichtiger werdende virtuelle Realität. Darüber hinaus zeigt sich eine größere Sehnsucht nach materiellem Besitz. Parallel dazu nimmt die Bedeutung von Frieden, der Hilfe für Andere und der Qualität der Umwelt bei jungen Menschen ab. Untersuchungen belegen zudem, dass Jugendliche in Tschechien gegenüber der Demokratie und dem politischen System eher skeptisch eingestellt sind.

Quelle: Zajíc, J. (2008). Mládež ?eské republiky. Prag: Herausgegeben vom Kinder- und Jugendrat der Tschechischen Republik (?eská rada d?tí a mládeže). Download: http://www.crdm.cz/download/publikace/mladez-CR-web.pdf (Zugriff am 11.6.13) 

Alkohol

Der Alkoholkonsum unter Jugendlichen in der Tschechischen Republik verharrte in den letzten Jahren auf hohem Niveau. Laut einer europäischen Studie, die 2007 unter 16-jährigen Schüler(inne)n durchgeführt wurde, haben 93 % der Befragten in den letzten zwölf Monaten vor der Befragung Alkohol getrunken, 48 % waren betrunken. Damit lagen die tschechischen Jugendlichen im europäischen Vergleich zusammen mit Österreich und Deutschland an der Spitze. Es gab keine signifikanten Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen. Beliebtestes alkoholisches Getränk war Bier. 

Zigaretten

Auch Rauchen ist unter Jugendlichen in der Tschechien recht weit verbreitet. Bei der oben genannten Studie gaben 41 % der 16-Jährigen an, in den letzten 30 Tagen geraucht zu haben, Mädchen deutlich öfter (45 %) als Jungen (36 %). Tschechien steht damit gemeinsam mit Österreich, Lettland und Bulgarien im europäischen Vergleich an der Spitze. 58 % der Befragten probierten ihre erste Zigarette im Alter von 13 Jahren oder früher. 

Illegale Substanzen

Rund 47 % der Schüler/-innen haben bereits Erfahrungen mit illegalen Substanzen gesammelt. Dabei war Cannabis die am häufigsten konsumierte Droge. Rund 35 % der Jugendlichen gaben an, in den letzten zwölf Monaten vor der Befragung Cannabis konsumiert zu haben, 18 % in den vergangenen 30 Tagen. Damit hat sich der Cannabiskonsum unter Jugendlichen seit Mitte der 1990er Jahre mehr als verdoppelt und ist doppelt so hoch wie im europäischen Durchschnitt. Allerdings hat sich die Zunahme in den letzten Jahren verlangsamt.

13,5 % der befragten Jugendlichen gaben an, mit anderen illegalen Substanzen als mit Cannabis experimentiert zu haben. 9,1 % hatten bereits Sedativa genommen, 7,4 % halluzinogene Pilze oder andere natürliche Halluzinogene und 7 % Inhalate. 4,9 % der Schüler/-innen haben LSD, 4,5 % Ecstasy und 4,2 % Steroide probiert. 2 % hatten Heroin oder andere Opiate konsumiert, 1 % Kokain. Besonders beliebt war die Kombination von Alkohol mit Medikamenten: 18,5 % der Jugendlichen gaben an, dies schon einmal versucht zu haben (europäischer Durchschnitt: 9 %).

Drogenpolitik und -prävention

Angesicht des hohen Alkohol- und Zigarettenkonsums unter Jugendlichen wurde das seit 1989 gültige Gesetz zum Schutz vor Schäden durch Alkoholgenuss verschärft. Danach ist es seit dem 1. Januar 2005 verboten, Jugendlichen unter 18 Jahren Alkohol auszuschenken oder zu verkaufen. Auch Zigaretten dürfen nur an Volljährige verkauft werden. 2009 wurde das Gesetz noch ein weiteres Mal verschärft: In tschechischen Restaurants und Kneipen herrscht zwar kein generelles Rauchverbot, es muss aber ein abgegrenzter Bereich für Nichtraucher/-innen vorhanden sein. In öffentlichen Gebäuden darf nicht geraucht werden, auf Schulanlagen ist das Rauchen streng verboten. 

Im 1. Januar 2010 trat in Tschechien ein Gesetz in Kraft, das den Umgang mit illegalen Substanzen neu regelt. Danach sind Drogenkonsum, -produktion und -verkauf in Tschechien weiterhin illegal, der Besitz kleiner Mengen für den privaten Bedarf gilt aber als Ordnungswidrigkeit und wird strafrechtlich nicht verfolgt. Neu festgelegt ist jetzt, was genau der Begriff „kleine Menge“ bedeutet: maximal 15 Gramm Cannabis, vier Ecstasy-Tabletten oder ein Gramm Kokain.

Die Präventionsmaßnahmen, die sich an Jugendliche richten, werden vom Ministerium für Bildung, Jugend und Sport (Ministerstvo školství, mládeže a t?lovýchovy - MŠMT) koordiniert und hauptsächlich von Schulen und Nichtregierungsorganisationen umgesetzt. Seit 2007 ist das Thema fest in den Lehrplänen verankert. Richtlinien des Ministeriums definieren unter anderem Standards für Präventionsprogramme und empfehlen spezifische Maßnahmen zur Präventionsarbeit in Schulen und anderen Einrichtungen.

Quellen:

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Sport

Sport wird in der Tschechischen Republik groß geschrieben, sowohl in der aktiven Ausübung als auch beim eher passiven Zuschauen. Eishockey gilt als Nationalsport. Daneben wirken auch Fußball, Tennis, Volleyball, Fußballtennis und neuerdings auch Baseball als Zuschauermagneten. Aber auch Leichtathletik, Ski- und Schwimmwettkämpfe stoßen auf größeres Interesse.

Ein in der Tschechischen Republik beliebter Breitensport ist das Wandern, auf Tschechisch turistika genannt, zu Fuß, mit dem Boot, im Winter auf Skiern. Deshalb durchzieht ein Netz von markierten Wanderwegen (im Gebirge auch Skiwanderwege und Loipen) alle interessanten Erholungsgebiete. An solchen Stellen finden sich oft auch Naturlehrpfade, die die Besucher/-innen über typische oder seltene Pflanzen, Geländeformationen oder geologische Besonderheiten informieren. Im Zuge der Mountain- und Trekkingbike-Welle werden auch immer mehr fahrradgeeignete Wege gekennzeichnet. 

Besonders unter den jungen Leuten ist tramping sehr beliebt. Dabei handelt es sich um eine tschechische Tradition, bei der eine Gruppe mehrere Tage durch die Natur wandert und nachts unter freiem Himmel schläft. Alle Ausrüstungsgegenstände werden in Rucksäcken transportiert. Viele junge Menschen verbringen mit „tramping“ nicht nur während der Sommerferien mehrere Tage in der Natur.

Die beliebtesten Sportarten von Jungen sind Fußball, Basketball, Rad fahren, Inline skaten, Tischtennis und Volleyball. Mädchen geben hingegen Rad fahren, Aerobic, Volleyball und Reiten als Lieblingssportarten an. 25 % der Kinder und Jugendlichen sind Mitglieder in Sportvereinen, Jungen häufiger als Mädchen.

Der größte und beliebteste Sportverband in der Tschechischen Republik ist FALKE (SOKOL). Die historischen Wurzeln des Verbandes gehen auf die Turnbewegung im 19. Jahrhundert zurück. Heute zählt der Verband rund 190 000 Mitglieder, die sich einer Vielzahl von Sportarten, aber auch Bewegungsaktivitäten und kulturellen Tätigkeiten (zum Beispiel Folklore) widmen. Der Verband bietet auch ein breites Angebot für Kinder und Jugendliche.

Der Verband der Schulsportklubs ASSK (Asociace Školních Sportovních Klub? ?eské republiky) ist eine Sportorganisation, die in allen Bezirken der Tschechien Republik existiert. Insgesamt hat der Verband 250 000 junge Mitglieder. Sein Angebot umfasst eine Vielzahl an Sportarten und Freizeitaktivitäten, die den Lebensstil der Kinder und Jugendlichen positiv beeinflussen und ihnen eine interessante Alternative für die Freizeitgestaltung bieten sollen. Darüber hinaus organisiert der Verband Schulwettkämpfe.

Weitere große Sportverbände in Tschechien:

  • Tschechischer Verband für körperliche Erziehung und Sport (?eský svaz telesné výchovy a sportu - ?STV), www.cstv.cz (auf Tschechisch)
  • Tschechischer Verband Sport für alle (?eská asociace sport pro všechny - ?SAPV), www.caspv.cz (auf Tschechisch)
  • Verband für Sportvereine (Sdružení sportovních svaz? ?eské republiky), www.sporty-cz.cz (auf Tschechisch)

Quelle: European Non-Governmental Sports Organisation Youth (ENGSO Youth)

Link
www.nadacedks.cz - Website der Stiftung Kinder-Kultur-Sport (Nadace D?ti-Kultura-Sport)

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Partizipation und Citizenship

Politische Bildung 
Freiwilliges Engagement

Politische Bildung

Politische Bildung wird in Tschechien vor allem im Rahmen des Schulunterrichts in der Primar- und Sekundarstufe vermittelt. Dabei ist ein großer Teil des Unterrichts der Wissensvermittlung über das politische System gewidmet. Aber auch die Grundlagen der gesellschaftlichen Beziehungen und Strukturen sowie interkulturelle und europäische Fragestellungen werden behandelt. Darüber hinaus können die Schulen individuelle Schwerpunkte setzen.

Das 2004 verabschiedete neue Bildungsgesetz schuf die Möglichkeit zur aktiven Teilhabe von Schüler(inne)n und Studierenden am Bildungssystem. Schüler/-innen und Studierende haben nun das Recht, selbstverwaltete Gremien (zum Beispiel Schulparlamente, Schülerräte) einzurichten, die ihre Interessen vertreten. Auf diese Weise sollen eine demokratische Atmosphäre in den (Hoch-)Schulen entwickelt, Dialog, Diskussion und Kooperation angeregt und das Engagement der Schüler/-innen gefördert werden.

Ein Grund für die Einführung von Schülervertretungen ist das anhaltende Misstrauen der Jugendlichen gegenüber dem politischen System. Untersuchungen zeigen, dass Jugendliche zunehmend negativ über Politik und bürgerschaftliches Engagement denken. Alarmierend sind insbesondere der wachsende Ruf nach einer „starken Hand“ und die zunehmende Intoleranz gegenüber Migrant(inn)en unter Jugendlichen. 

Seit 1990 haben sich mehrere parteipolitische Jugendorganisationen gebildet, die eng mit ihren „Mutterparteien“ zusammenarbeiten. In der Jugendarbeit spielen sie aber eher eine geringere Rolle als ihre deutschen Pendants. 

Auswahl parteipolitischer Jugendorganisationen in der Tschechischen Republik:

  • Junge Christdemokraten (Mladí k?es?anští demokraté - MKD), www.mladikd.cz 
  • Junge Grüne (Mladí zelení), www.mladizeleni.cz 
  • Junge Konservative (Mladí konzervativci - MK), www.konzervativci.cz 
  • Junge Liberale (Mladí Liberálové)
  • Junge Sozialdemokraten (Mladí sociální demokraté - MSD), msd.mladi.cz 
  • Kommunistischer Jugendverband (Komunistický svaz mládeže - KSM), www.ksm.cz 

Quellen:

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Freiwilliges Engagement

Informationen zum Thema "Freiwilliges Engagement (Voluntary Activities)" erhalten Sie im European Knowledge Centre for Youth Policy unter http://youth-partnership-eu.coe.int/youth-partnership/ekcyp/By_country/Czech_Republic.html 

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Kultur und Kreativität

Kulturelle Bildung von Kindern und Jugendlichen fällt in den Verantwortungsbereich des Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport. Sie findet vor allem im Rahmen des Schulunterrichts statt, in den Fächern Kunsterziehung (Výtvarná výchova) und Musik (Hudební výchova).

Es bestehen Partnerschaften zwischen Schulen und professionellen Künstler(inne)n bzw. kulturell orientierten Organisationen. Jedoch gibt es von Regierungsseite keine Empfehlungen oder spezifischen Initiativen, um solche Partnerschaften zu unterstützen. Sie sind also allein vom Engagement der jeweiligen Schule abhängig.

Eine wichtige Rolle spielen auch die so genannten Elementarkunstschulen (Základní um?lecké školy), die auf eine lange Tradition zurückblicken können. Sie bieten Kunst- und Musikunterricht in den verschiedensten Bereichen an. Die meisten Kinder und Jugendlichen, die diese Schulen besuchen, lernen ein Instrument. Weniger Kinder nehmen Angebote im Bereich der bildenden Künste wahr. Darüber hinaus gibt es Tanz-, Literatur- und Theaterabteilungen. Die Elementarkunstschulen betätigen sich auch als „Entdecker“ von Talenten und gelten als „Vorratskammern“ für professionelle und Laiengruppen, insbesondere im musikalischen Bereich. Unter den Kunstschulen werden regelmäßig Wettbewerbe ausgetragen. Viele Absolvent(inn)en setzen den Unterricht an Kunstschulen, die an Ober- und Hochschulen angesiedelt sind, fort. Derzeit gibt es landesweit rund 480 Elementarkunstschulen. Haupteinnahmequelle sind die Gebühren, die von den Schüler(inne)n für den Unterricht gezahlt werden müssen.

Darüber hinaus realisiert und unterstützt das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport spezielle Programme im Bereich der kulturellen Bildung, darunter auch Wettbewerbe und Vorführungen für Schüler/-innen mit besonderem Förderbedarf. Des Weiteren fördert das Ministerium Verbände, die Aktivitäten zur Kunst- und Musikerziehung für Kinder und Jugendliche anbieten.

Im gesamten Land existieren Kunstwerkstätten und -seminare für Kinder und Jugendliche, die von Kulturinstitutionen und Verbänden aller Arten veranstaltet werden. Jungen Menschen wird dabei die ganze Vielfalt von künstlerischen Aktivitäten vermittelt und sie erhalten die Möglichkeit, ihre Geschicklichkeit und ihre Kenntnisse in einem gewählten Bereich zu vertiefen. 

Einer der Verbände, die solche Aktivitäten für Kinder und Jugendliche anbieten, ist die Gesellschaft der Kunstfreunde (Klub p?átel um?ní – KPU), die bereits im Jahr 1900 gegründet wurde und ihre Arbeit nach der Unterbrechung durch den Zweiten Weltkrieg und der Zeit des kommunistischen Regimes 1993 wieder aufnahm. Sie bietet Aktivitäten im Bereich Kunsterziehung, Musik und Theater an. Die Mehrheit der Mitglieder sind Kinder und Jugendliche, es gibt jedoch keine Altersbeschränkungen.

Quellen:

  • Europäische Kommission/Exekutivagentur für Bildung, Audiovisuelles und Kultur: Arts and Cultural Education at School in Europe in the Czech Republic, Brüssel 2007/2008. Download. 
  • Europäische Kommission/Exekutivagentur für Bildung, Audiovisuelles und Kultur: Arts and Cultural Education at School in Europe, Brüssel 2009. Download.
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Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund

Seit den 1990er Jahren hat sich die Tschechische Republik von einem durch Auswanderung geprägten Land zu einem Einwanderungsland gewandelt. Betrug der Anteil der in Tschechien lebenden Ausländer/-innen mit ständiger Aufenthaltserlaubnis 1993 0,5 % so waren es 2009 bereits 4,1 %. Unter den mittelosteuropäischen Staaten weist Tschechien damit eine der höchsten Einwanderungsquoten auf. Die meisten Migrant(inn)en kommen aus wirtschaftlichen Gründen nach Tschechien. Der größte Anteil stammt aus der Slowakei, weitere wichtige Herkunftsländer sind die Ukraine, Vietnam, Polen und Russland.

Auf die sich ändernde Einwanderungssituation reagierte die tschechische Regierung mit einer Anpassung ihrer Migration- und Integrationspolitik. So gibt es seit dem Jahr 2000 ein Konzept für die Integration von Migrant(inn)en auf dem Gebiet der Tschechischen Republik. Es bildet die Grundlage für verschiedene Integrationsprogramme der tschechischen Regierung.

Beispiele für Integrationsprogramme mit der speziellen Zielgruppe Kinder und Jugendliche:

  • Im Rahmen eines 2006 gestarteten Pilotprogramms wurde ein Netz von Zentren für die Integration von Minderheiten (St?edisek integrace menšin - SIM) gegründet. Die Zentren boten Beratung für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund und deren Familien sowie für pädagogische Mitarbeiter/-innen an. Ein wichtiger Bestandteil der Arbeit war die Tätigkeit der Mitarbeitenden vor Ort – in den Schulen und Familien. Das aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds geförderte Projekt lief mehr als zwei Jahre und wurde nicht verlängert. Allerdings knüpft ein 2009 gestartetes Projekt an die Erfahrungen und Ergebnisse des Vorgängerprojektes an. Dieses Projekt hat zum Ziel, über ein Netz von Zentren zur Unterstützung der inklusiven Bildung (Centra podpory inkluzivního vzd?lávání - CPIV) an ausgewählten Schulen den Zugang von benachteiligten Schüler(inne)n zur Bildung zu fördern.
  • 2009 legte das Ministerium für Arbeit und Soziales (Ministerstvo práce a sociálních v?cí – MPSV) ein Förderprogramm zur Integration von in Tschechien lebenden Migrant(inn)en auf. Ein Teil des Programms richtet sich speziell an Kinder und Frauen. Unter anderem werden darüber Freizeitaktivitäten und Nachhilfeangebote für Kinder mit Migrationshintergrund gefördert. – Weitere Informationen auf der Webseite des Ministeriums (auf Tschechisch). 

Im schulischen Bereich garantiert das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport (Ministerstvo školství, mládeže a t?lovýchovy – MŠMT) Kindern und Jugendlichen mit Flüchtlings- oder Asylstatus das Recht auf einen Schulbesuch. Zur besseren Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund in das Bildungssystem werden verschiedene Projekte durchgeführt, welche insbesondere die Behebung von Sprachbarrieren und die Förderung von jungen Migrant(inn)en zum Ziel haben – unter Berücksichtigung der kulturellen, ethnischen und religiösen Unterschiede der Kinder und Jugendlichen. Dabei umfassen die Projekte auch außerschulische Aktivitäten.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat die tschechische Praxis, Kinder allein wegen ihrer Herkunft auf Förderschulen zu schicken, 2007 verurteilt. Die tschechische Regierung reagierte darauf mit einem Förderprogramm mit dem Ziel, junge Roma besser in das Bildungssystem zu integrieren. Unter anderem soll dadurch die Zahl der Roma-Kinder in Vorschuleinrichtungen und in Vorbereitungskursen für die Mittelschule erhöht werden.

Quellen:

  • IDEA: Migration Trends in Poland, Hungary and the Czech Republic. Similarities and Differences, 2009. Download.
  • Ministerium für Bildung, Jugend und Sport (Ministerstvo školství, mládeže a t?lovýchovy): The Integration of Aliens.
  • Tschechisches Statistikamt: Population changes - year 2009, Prag 2010. Download.
  • Amnesty International: Injustice Renamed. Discrimination in Education of Roma persists in the Czech Republic, London 2010. Download.
  • Romea.cz - Artikel Na podporu romských žák? p?idá MŠMT desítky milion?? über finanzielle Unterstützung durch das Bildungsministerium für die Förderung von Kindern der Roma. Zugriff 11.6.13. 

Link
www.e-politik.de/wissenswerte/migration/ - WissensWerte – Infografiken 'Migration'

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Jugendsozialarbeit und Hilfen für Kinder

Jugendsozialarbeit wurde in der Tschechischen Republik lange Zeit größtenteils nicht als Präventionshilfe betrachtet, sondern als Hilfe für bereits auffällige Jugendliche mit Präventionselementen.

In den letzten Jahren entstand jedoch eine Vielzahl von niedrigschwelligen Einrichtungen für Kinder und Jugendliche (Nízkoprahové za?ízení pro d?ti a mládež - NZDM), auch als niedrigschwellige Klubs bekannt, in denen Kinder und Jugendliche Hilfe und Beratung finden oder auch nur ihre Freizeit verbringen können. Die Freizeitangebote sind vielfältig und reichen von Tischtennis und Musikhören über Kletterwände und den Verleih von Sportausrüstung bis hin zu Proberäumen für junge Musiker/-innen. Die Angebote sind kostenlos. In jedem Klub gelten Regeln, die unter anderem Alkoholkonsum, Drogen, Gewalt und Schikane verbieten. Bei den Mitarbeiter(inne)n handelt es sich um sozialpädagogisch qualifizierte Fachkräfte.

Neben den niedrigschwelligen Klubs gibt es weitere Angebote für Kinder und Jugendliche in schwierigen Lebenssituationen, die auf Beratung und Hilfe ausgerichtet sind. Dazu zählen

  • die aufsuchende Sozialarbeit, um zum Beispiel Straßenkinder zu erreichen;
  • Kontaktzentren, an die sich Kinder und Jugendliche sowie deren Eltern wenden können;
  • Krisenzentren und Telefonhotlines für Kinder und Jugendliche in Not;
  • Dienste zur frühen Intervention, die sich an die gesamte Familie richten und Erziehungs-, Sozial- und Gesundheitsmaßnahmen umfassen. Ziel ist es, die Eltern soweit zu unterstützen, dass ihre Kinder in einem angemessenen Lebensumfeld aufwachsen können.

Ein staatliches Programm namens „Haus auf halben Wege“ (D?m na p?l cesty; Englisch: halfway house oder recovery house) bietet jungen Menschen bis 26 Jahren, die bis zu ihrer Volljährigkeit in staatlicher Inobhutnahme waren, für eine Übergangsphase eine Unterkunft. Daneben erhalten die Bewohner/-innen unter anderem Unterstützung beim Aufbau von Kontakten und bei der Vertretung ihrer Rechte und Interessen.

Die sozialen Dienste für Kinder und Jugendliche werden sowohl von staatlichen als auch von nichtstaatlichen Trägern angeboten. Einen Überblick über Träger und Einrichtungen niedrigschwelliger Angebote bietet das Portal streetwork.cz (Kurzversion auf Deutsch). Auf staatlicher Seite sind das Ministerium für Arbeit und soziale Angelegenheiten (Ministerstvo práce a sociálních v?cí – MPSV) sowie die entsprechenden Stellen bei den Städten, Gemeinden und Regionen für die sozialen Angebote verantwortlich.

Auf nichtstaatlicher Seite sind verschiedene Organisationen und Stiftungen in dem Bereich tätig. Hier finden Sie eine kleine Auswahl:

  • Die Unterorganisationen von Charitas Tschechien (Charita ?eská republika - CH?R) unterhalten unter anderem an verschiedenen Standorten niedrigschwellige Klubs für Kinder und Jugendliche, „Häuser auf halben Wege“, Krisentelefone sowie so genannte Outreach-Programme für verschiedene Zielgruppen, darunter Jugendliche und junge Erwachsene in schwierigen Lebenssituationen. – Weitere Informationen auf der Webseite von Charitas Tschechien (Kurzversion auf Englisch).
  • Die Diakonie der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder (Diakonie ?eskobratrské církve evangelické) stellt soziale Dienste für Kinder und Erwachsene in schwierigen Lebenssituationen bereit. Unter anderem unterhält sie drei Kinder- und Jugendclubs, vier Unterkünfte für Mütter mit Kindern in Krisensituationen sowie zwei Unterkünfte speziell für obdachlose Jugendliche. – Weitere Informationen auf der Webseite der Diakonie (auf Deutsch).
  • Die Stiftung Unser Kind (Nadace Naše dít?): Die 1993 gegründete Stiftung setzte sich für die Einrichtung und den Unterhalt eines landesweiten Kindernotrufs und einer Ausreißer-Hotline ein. Später kamen eine Hotline zur Rechtsberatung beim Kinder- und Jugendschutz und eine Internet-Hotline zur Meldung von Kinderrechtsverletzungen im Internet hinzu. – Weitere Informationen auf der Webseite der Stiftung (Kurzversion auf Englisch).
  • Die Tschechische Vereinigung für Streetwork (?eská asociace streetwork - ?AS) ist ein Berufsverband von Fachkräften und Anbietern von niedrigschwelligen sozialen Diensten. ?AS setzt sich unter anderem für die Entwicklung und die Verbesserung der Qualität der Streetwork-Arbeit ein. – Weitere Informationen auf der Webseite des Verbandes (Kurzversion auf Deutsch). 

Eine besondere Zielgruppe bilden Kinder und Jugendliche der Roma-Minderheit. Verschiedene Organisationen haben sich auf die Arbeit mit Roma spezialisiert mit dem Ziel, die Lebens- und Ausbildungsbedingungen für Roma-Kinder und -Jugendliche zu verbessern und deren Integration in die tschechische Mehrheitsgesellschaft zu fördern. Zu diesen Organisationen gehören unter anderem:

  • DROM, das Roma-Zentrum (Romské st?edisko) in Brno, bietet Freizeitaktivitäten, soziale und rechtliche Beratung und unterstützt Kinder und Jugendliche bei ihrer Ausbildung. - Weitere Informationen auf der Webseite von DROM (auf Englisch).
  • Der Nadace Open Society Fund Praha (Open Society Fund Prag) ist Teil des weltweiten Soros Foundation Netzwerks, welches sich für eine freie Gesellschaft einsetzt. Die Stiftung unterstützt Roma-Jugendliche unter anderem durch Stipendien und fördert deren berufliche Ausbildung. Darüber hinaus unterstützt sie außerschulische Aktivitäten für die Zielgruppe. - Weitere Informationen auf der Webseite der Organisation (auf Englisch).
  • Nová škola (Neue Schule) ist eine gemeinnützige Organisation, die sich für die Chancengleichheit von Roma einsetzt. Einen besonderen Arbeitsschwerpunkt bildet die Verbesserung der Bildungschancen von Roma-Kindern. Zu den Projekten zählen beispielsweise literarische und künstlerische Wettbewerbe in Grundschulen und vielfältige Förderangebote für Schüler/-innen. - Weitere Informationen auf der Webseite von Nová škola (auf Tschechisch).
  • Ob?anské sdružení Khetane-Spolu (Bürgervereinigung Khetane-Zusammen) ist eine gemeinnützige Organisationen, die durch künstlerische und handwerkliche Aktivitäten den Kontakt zwischen Roma- und Nicht-Roma-Kindern fördert. Teil der Aktivitäten ist die Einführung in die Geschichte der Roma-Kultur.

Eine Liste mit weiteren Organisationen und Stiftungen, die mit Roma arbeiten, findet sich unter http://archiv.radio.cz/romove/nadace.html (auf Tschechisch).

In der Tschechischen Republik gibt es bislang keine eigene Ombudsperson für Kinderrechte, die die Einhaltung der UN-Kinderrechtskonvention überwacht und als Ansprechpartnerin für Beschwerden bei Kinderrechtsverletzungen fungiert. Der tschechische Minister für Menschenrechte hat die Schaffung einer solchen Stelle bis Ende 2017 angekündigt. Derzeit gibt es die Position einer allgemeinen Ombudsperson für die Verteidigung der Rechte der Bürger/-innen, die sich auch um die Belange von Kindern kümmert.

Auf lokaler Ebene gibt es bei den Gemeinden angestellte Kurator(inn)en für Jugendliche. Dabei handelt es sich um Expert(inn)en, die im Bereich des sozial-rechtlichen Schutzes und der Vorbeugung von Verhaltensstörungen tätig sind. Zielgruppe sind Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren sowie deren Eltern. Die Kurator(inn)en für Jugendliche arbeiten mit der Polizei, Schulen, anderen staatlichen Einrichtungen, Bürgerinitiativen und Verbänden zusammen.

Quellen:

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Zentrale Einrichtungen und Organisationen

Die zentrale Einrichtung zur Koordinierung der internationalen Jugendarbeit in der Tschechischen Republik ist das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport (Ministerstvo školství, mládeže a t?lovýchovy – MŠMT). Darüber hinaus übernimmt die Abteilung Konzepte und Internationale Zusammenarbeit im Nationalen Institut für Weiterbildung (NIDV) Aufgaben im Bereich der internationalen Jugendarbeit. Ausführliche Informationen zu beiden Institutionen finden sich im Kapitel Kinder- und jugendpolitische Strukturen.

Zusammenarbeit mit Deutschland

Die Beziehungen zwischen der Tschechischen Republik und Deutschland im Jugendbereich sind sehr eng. Bereits im November 1990 wurde ein Abkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der damaligen Tschechischen und Slowakischen Föderativen Republik (?SFR) über Zusammenarbeit und Austausch der Jugend verabschiedet. Das Abkommen legt unter anderem fest, dass ein gemeinsamer Rat aus Vertreter(inne)n von Ministerien und Jugendorganisationen beider Länder eingerichtet wird. Seine Aufgabe ist es, die Kooperation im Jugendbereich weiterzuentwickeln und zu koordinieren. 

Da die Tschechische Republik nach ihrer Gründung 1993 alle Rechte und Pflichten aus dem Abkommen von 1990 übernahm, besteht dieser gemeinsame Rat in Form des Deutsch-Tschechischen Jugendrats weiter fort. Er bildet das höchste deutsch-tschechische Gremium im Jugendbereich, setzt sich aus Ministeriums- und Jugendverbandsvertreter(inne)n beider Länder zusammen und tagt in der Regel einmal im Jahr. Das Gremium gibt Empfehlungen sowie Programm- und Projektvorschläge zur Zusammenarbeit und zum Jugendaustausch. 

Um den bilateralen Jugendaustausch zu intensivieren und weiter auszubauen, entschlossen sich beide Länder, zwei Koordinierungszentren für den deutsch-tschechischen Jugendaustausch einzurichten. Die entsprechende Erklärung wurde 1996 unterzeichnet und im April 1997 wurde beide Koordinierungszentren eröffnet, eines auf deutscher und eines auf tschechischer Seite. Finanziert wird das Koordinierungszentrum in Regensburg vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie von den Freistaaten Bayern und Sachsen. Das Koordinierungszentrum in Pilsen wird vom Ministerium für Schulwesen, Jugend und Sport der Tschechischen Republik finanziert. Das Zentrum auf tschechischer Seite ist bei der Westböhmischen Universität in Pilsen angesiedelt, das auf deutscher Seite beim Bayerischen Jugendring in Regensburg. Beide Zentren präsentieren sich unter dem Namen Tandem.

Die Aufgabenbereiche von Tandem sind:

  • Beratung und Unterstützung von Organisationen und Einrichtungen des deutsch-tschechischen Jugend- und Schüleraustausches;
  • Initiierung von Austauschprojekten und Hilfestellung für interessierte Träger (Schulen, Organisationen, Jugendinitiativen) bei der Vertiefung und Vermittlung von Kontakten;
  • Entwicklung neuer Formen und Bereiche der Zusammenarbeit und des Austauschs;
  • Veranstaltung von Partnerbörsen und Fachseminaren zu Fragen des deutsch-tschechischen Jugendaustauschs;
  • Fortbildung von Multiplikator(inn)en;
  • Vermittlung von Praktika und Hospitationen in Betrieben sowie
  • Veröffentlichung und Verbreitung von Informations-, Arbeits- und Dokumentationsmaterialien.

Seit 2006 fördert Tandem auch die deutsch-tschechische Zusammenarbeit im Vorschulbereich. Im Rahmen des Projektes "Von klein auf – Odmali?ka" werden gezielt Erzieher/-innen in Kindertagesstätten, Mütterzentren etc. in den grenznahen Regionen angesprochen mit dem Ziel, Kindern die Chance zu bieten, bereits im frühen Alter grenzüberschreitende Freundschaften zu knüpfen und erste Kenntnisse der Nachbarsprache zu erwerben.

Weitere Informationen zu Tandem unter www.tandem-org.de (Tandem Regensburg) und www.tandem.adam.cz (Tandem Pilsen).

Das Deutsch-Tschechische Jugendforum (?esko-n?mecké fórum mládeže) wurde 2001 als Projekt des Deutsch-Tschechischen Gesprächsforums (siehe unten) ins Leben gerufen. Es bietet eine bilaterale Diskussionsplattform für junge Leute aus Deutschland und Tschechien, die sich an der weiteren Ausgestaltung des deutsch-tschechischen Dialogs beteiligen möchten. 40 junge Menschen zwischen 16 und 26 Jahren aus beiden Ländern erhalten die Möglichkeit, sich aktiv für die Verbesserung und Vertiefung der deutsch-tschechischen Beziehungen einzusetzen, indem sie im Laufe von zwei Jahren in verschiedenen Arbeitsgruppen Projekte zu einer Vielzahl von Themen entwickeln und betreuen. Die Entstehung des Deutsch-Tschechischen Jugendforums geht auf eine Initiative von jungen Leuten aus Deutschland und Tschechien zurück.

Weitere deutsch-tschechische Einrichtungen (Auswahl):

  • Der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds (?esko-n?mecký fond budoucnosti) wurde im Dezember 1997 gegründet. Er ist eine zwischenstaatliche Institution nach tschechischem Recht und hat seinen Sitz in Prag. Auftrag des Zukunftsfonds ist es, auf vielfältige Weise die Verständigung zwischen Deutschen und Tschechen zu fördern, die Zahl der beidseitigen Begegnungen zu erhöhen und die Formen der Zusammenarbeit durch die Unterstützung von gemeinsamen Projekten zu erweitern. 2007 wurde die Fördertätigkeit nach einer Aufstockung des Stiftungsvermögens um weitere zehn Jahre verlängert. Der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds fördert auch Projekte im Jugendbereich. 
  • Die Brücke|Most-Stiftung wurde 1997 als Organisation zur Förderung der deutsch-tschechischen Verständigung und Zusammenarbeit gegründet. Sie möchte einen Beitrag zur Verbesserung der Beziehungen zwischen Deutschen und Tschechen leisten. Als Brücke zwischen den Kulturen engagiert sie sich in den Bereichen Kultur, Kommunikation und Vernetzung, Bildung, Begegnung und Wissen.
  • Das Deutsch-Tschechische Gesprächsforum (?esko-n?mecké diskuzní fórum) wurde im Dezember 1997 gegründet. Es hat die Aufgabe den deutsch-tschechischen Dialog zu pflegen. Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Durchführung einer jährlichen Konferenz, bei der Themen vor dem Hintergrund der Partnerschaft beider Länder in der Europäischen Union diskutiert werden. Daneben führt es verschiedene Projekte durch, auch im Jugendbereich. 
  • Das Centrum Bavaria Bohemia (CeBB) in Schönsee fungiert als Kulturdrehscheibe, Informationszentrum, Ansprech- und Kooperationspartner zwischen den bayerischen und tschechischen Nachbarregionen. Über das Programm des CeBB und die zahlreichen weiteren Kulturtermine in den bayerisch-tschechischen Nachbarregionen informiert das zweisprachige Internetportal www.bbkult.net.
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Zusammenarbeit mit anderen Ländern

Für die tschechische Regierung haben Deutschland und Frankreich bei der jugendpolitischen Zusammenarbeit Priorität. Darüber hinaus wurde von tschechischer Seite in den letzten Jahren vor allem der Jugendaustausch mit den Nachbarländern intensiviert. Bezüglich der Teilnehmerzahlen an Austauschmaßnahmen lässt sich feststellen, dass eine gleichgewichtige Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen in Großbritannien, Italien, Österreich, Polen, der Slowakei und Spanien besteht. 

Tschechische Kinder- und Jugendorganisationen sind international gut vernetzt und vielfach Mitglied in europäischen oder internationalen Dachverbänden. Hier ist eine Auswahl von tschechischen Organisationen und ihren europäischen und internationalen Dachverbänden:

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Mobilität

Viele tschechische Kinder und Jugendliche verbringen ihre Ferien beziehungsweise ihren Urlaub im Heimatland. Fast jedes tschechische Kind verbringt einen Teil seiner Sommerferien in einem Ferienlager. Geschlafen wird in Zelten oder Hütten, tagsüber gibt es ein Freizeitprogramm. Besonders beliebt sind auch Wanderlager, bei denen eine Gruppe für eine längere Zeit mit Rucksäcken unterwegs ist. Organisiert werden die Sommerlager von verschiedenen Trägern, unter anderem von Jugendverbänden wie JanúkPionýr oder Duha (siehe hierzu Jugendverbandsarbeit).

Tschechien ist Mitglied in der European Youth Card Association (EYCA). Informationen zu Vergünstigungen mit der Europäischen Jugendkarte EURO26 (und jede Menge weiterer Informationen zu kulturellen Veranstaltungen, Reiseangeboten, ...) gibt es unter www.eyca.cz

Ebenso ist Tschechien Programmland im europäischen Aktionsprogramm Erasmus+ JUGEND IN AKTION. Die tschechische Nationalagentur für die Umsetzung des Programms ist die Agentur Jugend mit Sitz in Prag.

Weitere Informationen zu Tschechien für junge Leute auf dem Europäischen Jugendportal: http://europa.eu/youth/CZ_en

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Notizzettel mit der Aufschrift "Impressum" - Foto: stock.xchng - BSK
Notizzettel mit der Aufschrift "Impressum" - Foto: stock.xchng - BSK

Impressum - Tschechien

Die Länderinfos zu TSCHECHIEN wurden zusammengestellt von: IJAB - Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V. in Zusammenarbeit mit Lucie Piksová

Das Kapitel "Glaubensgemeinschaftliche Angebote für Kinder und Jugendliche" basiert auf einem überarbeiteten Text von Sebastian Kraft.

Letzte Aktualisierung: Januar 2018

Kontakt: dija(at)ijab.de