Auf einen Blick: Jugendarbeit in Deutschland und Europa (06.04.2020)

Das Youth Wiki ist um ein Thema reicher: Jugendarbeit wurde als neues Themenfeld in der Online-Enzyklopädie zur Jugendpolitik in den Ländern Europas frei geschaltet. Damit bietet das Youth Wiki in kompakter Form einen Einblick in die Entwicklung und aktuellen Gegebenheiten des Arbeitsfeldes und unterstützt somit die Wissensbasis zur Jugendarbeit, auch mit Blick auf die im Dezember 2020 im Rahmen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft geplante European Youth Work Convention.

Inhaltlich geht es um die allgemeinen Rahmenbedingungen für das Feld der Jugendarbeit, Strukturen und Akteure sowie Initiativen und Angebote der Jugendarbeit. Des Weiteren wird beleuchtet, wie Aus- und Fortbildungsangebote für Fachkräfte der Jugendarbeit gestaltet sind und es um die Anerkennung von Kompetenzen bestellt ist. Im Kontext von Qualität und Innovation gibt es unter anderem einen Exkurs zu digitaler – smarter – Jugendarbeit.

Rahmenbedingungen und Strukturen

Der neue Bereich Jugendarbeit im Youth Wiki umfasst zunächst die Darstellung der allgemeinen Rahmenbedingungen: Neben einem geschichtlichen Exkurs wird auch auf die Definition und das Verständnis des Begriffs Jugendarbeit im nationalen Kontext eingegangen.

Im Weiteren werden die Akteurs- und Governance-Strukturen im Feld der Jugendarbeit erläutert. Neben den staatlichen Strukturen wird, wie im Falle von Deutschland, auch die Rolle der freien Träger für dieses Arbeitsfeld betrachtet. Im Weiteren wird auf die ressortübergreifende Zusammenarbeit eingegangen. Je nach Land ist die Sachlage hier sehr verschieden. Rumänien gibt zum Beispiel an, keinen festen Mechanismus für eine ressortübergreifende Zusammenarbeit zwischen Ministerien, Abteilungen und Agenturen zu haben, während Frankreich hervorhebt, dass sich das Feld Jugendarbeit oft auf Partnerschaften und Querschnittsarbeit zwischen verschiedenen Akteuren in verschiedenen Bereichen stützt. Dazu gehören Ministerien, Regierungsbehörden, lokale und regionale Behörden und oft auch Verbände oder Organisationen aus den Bereichen Jugendarbeit, Sport, Gesundheit und Kultur.

Ebenso wird dargestellt, wie der Bereich Jugendarbeit in Europa unterstützt wird: sowohl durch politische bzw. rechtliche Rahmensetzungen – in Deutschland ist es das Sozialgesetzbuch Achtes Buch (SGB VIII) –, als auch durch öffentliche Förderung. Außerdem wird auf die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Akteuren, wie in Deutschland die Zusammenarbeit zwischen öffentlichen und freien Trägern sowie das Zusammenwirken von Haupt- und Ehrenamt, eingegangen.

Qualitätssicherung und Innovation

Unter der Überschrift ‚Qualität und Innovation in der Jugendarbeit‘ werden innovative Ansätze wie smarte Jugendarbeit in der digitalen Welt thematisiert. Hier bietet zum Beispiel Spanien interessante Einblicke in verschiedene Programme, die digitale Technologien in der Jugendarbeit einsetzen. Außerdem wird die Rolle der Forschung in der Jugendarbeit betrachtet. Zum Beispiel hat Schweden 2019 zwei Befragungen zur Jugendarbeit in schwedischen Kommunen durchgeführt, deren Schwerpunkt auf der Ausbildung von Jugendarbeiter(inne)n, dem Umfang der Angebote in Jugendzentren und den Bedarfen von Jugendlichen und deren Möglichkeiten für Teilhabe an der Gestaltung der Angebote lag.

Fachkräfte der Jugendarbeit und Anerkennung von Kompetenzen

Welchen Status haben Mitarbeiter/-innen in der Jugendarbeit laut nationaler Gesetzgebung? Auch darum geht es im Themenfeld Jugendarbeit. In Belgiens Deutschsprachiger Gemeinschaft wird ein/e Mitarbeiter/-in der Jugendarbeit in der Verordnung über die Finanzierung von Jugendarbeit als „eine qualifizierte Person, die Jugendarbeit in professioneller Funktion durchführt“, definiert. Währenddessen findet sich im Gesetz über Jugendarbeit von Estland keine Begriffsbestimmung darüber, was ein/e Jugendarbeiter/-in ist. In Deutschland spielt im Zusammenhang mit dem Grundverständnis der Aufgaben der Jugendarbeit insbesondere die Unterscheidung zwischen haupt- und ehrenamtlich eine wesentliche Rolle. Weiterhin werden unter diesem Punkt Angebote zur Aus- und Fortbildung für den Bereich Jugendarbeit sowie die Anerkennung von Kompetenzen von Mitarbeiter(inne)n in der Jugendarbeit angesprochen. Zudem werden Möglichkeiten für die Mobilität und den Austausch von Fachkräften aufgezeigt.

In Deutschland gibt es eine Debatte über die Effekte und vor allem auch negativen Folgewirkungen einer formalen Anerkennung der durch non-formales und informelles Lernen in der Jugendarbeit erworbenen Kompetenzen. Finnland verweist darauf, dass das Thema Validierung lange und etablierte Wurzeln hat und Gesetzgebung und Politik gut entwickelt sind. Auch wenn es kein einheitliches Gesetz über die Validierung von non-formalem und informellem Lernen gibt, liegt die Kernaussage der vorhandenen Gesetzgebung darin, dass die Validierung des nicht-formalen und informellen Lernens ein subjektives Recht des Einzelnen ist und dass die Kompetenzen eines Einzelnen unabhängig davon, wann und wo sie erworben wurden, validiert werden sollten. Dänemark, Kroatien und die Slowakei beispielsweise stellen heraus, dass es in diesen Ländern keine besonderen Anerkennungssysteme oder Tools für die Anerkennung von non-formalem Lernen gibt.

Bewusstsein für Jugendarbeit stärken und aktuelle Debatten

Das Bewusstsein für Jugendarbeit stärken – darum geht es im vorletzten Abschnitt zur Jugendarbeit im Youth Wiki. Die interessierten Leser/-innen finden hier unter anderem Informationen zu den Akteuren, die bei der Sichtbarmachung der Angebote der Jugendarbeit eine besondere Rolle spielen. Hier werden die unterschiedlichsten Einrichtungen genannt, angefangen bei Jugendinformationsdiensten und -zentren (Deutschland, Österreich, Tschechische Republik) bis hin zu den Jugendorganisationen selbst (Belgien – Franz. Gemeinschaft), die besonders hervorgehoben werden. Auch Eurodesk wird hier mehrfach als Informationsanbieter genannt.

Abschließend wird auf anstehende politische Entwicklungen sowie laufende Diskussionen mit Relevanz für den Bereich der Jugendarbeit hingewiesen. In Malta, zum Beispiel, wird derzeit, vier Jahre nach Inkrafttretens des Gesetzes über den Beruf der Fachkraft für Jugendarbeit (Jugendarbeiter/-in), über die Überarbeitung des Gesetzes diskutiert. Das Büro für Jugend der Republik Slowenien beschäftigt sich derzeit mit dem Thema Qualität der Jugendarbeit. In Spanien wird eine Debatte über die Schaffung eines gemeinsamen Anerkennungssystems im Bereich der Jugendarbeit geführt, dessen Ziel ist, Jugendarbeit als eigenständige Disziplin anzuerkennen und somit auch den Weg für mehr fachliche Anerkennung der Kompetenzen von Mitarbeiter(inne)n in der Jugendarbeit zu ebnen. In den Niederlanden nimmt die Zusammenarbeit der Jugendarbeit mit Schule Fahrt auf.

Weiterführende Informationen

Die geografische Reichweite für die Informationen zur Jugendarbeit im Youth Wiki umfasst neben Deutschland folgende Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU): Belgien, Bulgarien, Kroatien, Zypern, die Tschechische Republik, Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Ungarn, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, die Niederlande, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Slowakei, Slowenien und Spanien. Auch für Länder außerhalb der EU, die als Programmländer des EU-Programms Erasmus+ am Youth Wiki mitwirken, wird das Arbeitsfeld Jugendarbeit bereits abgebildet. Dazu gehören bisher Island, Norwegen und die Türkei.

Ausführliche Informationen zur Jugendarbeit in Deutschland und Europa bieten die Themenseiten des Youth Wiki auf dem Fachkräfteportal für Kinder- und Jugendhilfe: www.youthwiki.de/jugendarbeit

Der deutsche Beitrag zur Jugendarbeit wurde in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Jugendinstitut erstellt.

Youth Wiki in Deutschland und in Europa

Die europäische Plattform Youth Wiki ist ein Projekt der Europäischen Kommission, das in Deutschland von IJAB – Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V. umgesetzt wird. Seit Ende 2017 ist das Informationsangebot online. IJAB ist seit 2015 Teil eines Netzwerks von Korrespondentinnen und Korrespondenten in Europa, das die Informationen für das Youth Wiki zusammengestellt und regelmäßig aktualisiert. Die Exekutivagentur für Bildung, Audiovisuelles und Kultur (EACEA) betreut das Netzwerk und verwaltet die europäische Youth-Wiki-Plattform. Dabei arbeitet sie eng mit dem Generaldirektorat Bildung und Kultur (DG Education and Culture) der Europäischen Kommission zusammen.

Mit der Einbindung eines deutschsprachigen Youth Wiki auf dem Fachkräfteportal der Kinder- und Jugendhilfe werden die in der europäischen Youth-Wiki-Plattform enthaltenen Informationen der nationalen Fachöffentlichkeit zugänglich gemacht. Mit seinen tagesaktuellen Nachrichten aus der Kinder- und Jugendhilfe und angrenzenden Bereichen bietet das Fachkräfteportal der Kinder- und Jugendhilfe ideale Anschlussmöglichkeiten an die nationalen Fachdebatten. Weitergehende Fachbeiträge und Analysen der Youth-Wiki-Inhalte ergänzen das deutschsprachige Angebot zusätzlich.

Der deutschsprachige Youth-Wiki-Bereich ist unter der Domain www.youthwiki.de erreichbar.

Das Projekt wird von der Europäischen Kommission aus Mitteln des EU-Programms Erasmus+ gefördert und vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) unterstützt.